Stellungnahme von Thilo Clavin, VCD



Die „Lühmann-Variante„ (Ausbau der DB-Strecke Lüneburg-Uelzen-Celle) schneidet laut der erwähnten Kosten-Nutzen-Analyse von allen Varianten am schlechtesten ab! Das ist ein eindeutiger Rückschlag für die von der SPD-Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann und dem Celler Ex-Eisenbahner Volker Thürk favorisierte Trasse. Laut DB wären von keiner anderen Trassenvariante mehr Menschen betroffen, die Realisierung dauerte am längsten und sie hätte die höchsten Kosten. Ortschaften wie Deutsch Evern, Bienenbüttel, Bruchtorf, Medingen, Bad Bevensen, Emmendorf, Suderburg würden quasi zweigeteilt werden und der Abriss etlicher Häuser wäre unvermeidbar, ganz zu schweigen von der Verschandelung der Ortsbilder. Selbstverständlich wäre auch die Realisierung der Neubautrasse Ashausen – Unterlüß (oder -Suderburg) für die betroffenen Menschen und die dort noch recht intakte Natur ein empfindlicher Eingriff und wir können uns kaum vorstellen, dass durch diese Idylle (vor allem im Westkreis Lüneburg und Uelzen) einmal eine zweigleisige Gütertransit- oder ICE-Strecke führen wird. Der VCD Elbe-Heide lehnt natürlich auch eine solche Trasse ab.

 

Sollte der wachsende Hafen-Hinterlandverkehr wirklich neue Bahntrassen erforderlich machen (was im Falle einer weiteren – von SPD und CDU vehement geforderten – Elbvertiefung unausweichlich wäre), geht kein Weg daran vorbei, dass irgendein Landstrich südlich von Hamburg davon betroffen wird. Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) tritt daher nach wie vor für die sogenannte Breimeier-Variante ein, eine Schienenverbindung auf der Route (Bremerhaven-) Buchholz-Jesteburg-Lüneburg-Dannenberg-Dömitz-Wittenberge, die bereits von 1874 bis 1945 durchgehend existierte, westlich der Elbe wurden einige Abschnitte zwischen 1968 (Harsefeld-Buchholz) und 1981/1994 (Buchholz-Mechtersen-Lüneburg) stillgelegt, die Abschnitte Bremerhaven-Harsefeld und Lüneburg-Dannenberg sind noch heute in Betrieb. Nach Ansicht des VCD wäre diese Strecke – in früherem Umfang, eingleisig – die moderateste Variante, weil sie nur ehemalige und bestehende Strecken beansprucht, also ohne gänzlich neuen Geländeanspruch und Landschaftsverbrauch. Herr Dr. Breimeier hält zwar auch die zweigleisige Variante weiter offen, aber ich halte das 1) wegen des enormen Aufwandes und aus Naturschutzgründen für nicht durchführbar und 2) vor allem für die Menschen in dichter besiedelten Orten an der Trasse wie Brackel und Wulfsen für unzumutbar.

Eine eingleisige Breimeier-Variante (also lediglich in früherem Umfang!) evtl. mit reaktiviertem Personenverkehr mit einer Verbindungskurve auf die Güterbahn Buchholz-Maschen (-Harburg) wäre nach meiner Einschätzung eine schonende Variante. Wer das ablehnt, sollte eine noch schonendere Variante vorschlagen. Der darüber hinaus stattfindende Güterverkehr sollte auch auf bestehende, heute fast ungenutzte Strecken verteilt werden, z. B. DB: Buchholz-Soltau (-Hannover) und auch auf das OHE-Streckennetz Winsen(Luhe)-Soltau-Celle mit evtl. Begradigungen/Ortsumfahrungen einschl. Ertüchtigungen der „Amerika-Linie„ Langwedel-Soltau-Uelzen-Stendal und Rotenburg(Wümme)-Verden.

 

Es gilt die für Mensch und Natur verträglichste Lösung zu finden, daher setzt sich der VCD weiter für die Realisierung der Breimeier-Variante und die Nutzung kaum befahrener Nebenbahnen ein (auch um damit die Neubau-Variante Ashausen-Suderburg bzw. -Unterlüß zu verhindern).

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Thilo Clavin

VCD Regionalverband Elbe-Heide

Lüneburg

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PS:

Zur Kenntnisnahme:

Leserbrief zum Artikel „Celler Eisenbahner unterstützt Lühmann-Trassenkonzept„, Celler Zeitung vom26.2.15. Dieser Leserbrief von mir für den VCD wurde (aus welchen Gründen?) von der CZ abgelehnt, aber anderweitig von mir bereits weit verbreitet. Doppelsendungen bitte ich daher zu entschuldigen. Ich reagiere darin auf Äußerungen (u. a. gegen den VCD) des ehemaligen DB-Aufsichtsratsmitglieds Volker Thürk:

 

Leserbrief

Als ehemaliges Mitglied im Aufsichtsrat bei der DB Netz AG bietet Volker Thürk in Sachen Y-Trasse ein schwaches Bild. Er bezeichnet den VCD als unqualifiziert, weil ich als dessen Vertreter angemerkt habe, dass ein Ausbau der DB-Bestandsstrecke Lüneburg-Uelzen unter dem rollenden Rad sehr problematisch sei. Ich habe dabei jedoch lediglich die Verantwortlichen der DB zitiert, des Unternehmens also, dem Herr Thürk 47 Jahre gedient hat! Interessant, dass Herr Thürk „seine„ DB derart abqualifiziert. Auch sonst sind Thürks Äußerungen zur Y-Trasse völlig widersprüchlich. Am 22. Januar forderte er in Celle, man müsse den Bahnverkehr in Norddeutschland besser verteilen, schon vorher beklagte er die Knoten-Problematik. Warum ist er dann gegen die Breimeier-Variante? Genau dort setzt diese doch an, indem mit der wiederbelebten Strecke Bremerhaven-Buchholz-Lüneburg-Dannenberg-Wittenberge der Verkehr verteilt und das Nadelöhr Hamburg umfahren wird! Außerdem könnten dadurch von der Bahn längst abgehängte Orte wieder SPNV bekommen und die Umweltauswirkungen gering gehalten werden, da nur bestehende und ehemalige Trassen genutzt werden. Die von Thürk erwähnte „breite Ablehnung„ der Breimeier-Variante ist nicht so groß, wie er sich erhofft, bei einer Veranstaltung in Dannenberg am 27.2. z. B. waren lediglich 30 Teilnehmer anwesend, die auch nicht alle dagegen waren. Natürlich wären auch von dieser Trasse Menschen betroffen, aber bei weitem nicht so viele wie beim Ausbau der DB-Strecke Lüneburg-Uelzen, die mitten durch die Orte führt. Thürks Forderung auf Ausbau der Bestandsstrecke („Lühmann-Variante„) würde ja gerade den ganzen Nord-Süd-Verkehr auf eine Strecke konzentrieren und im Falle einer störungsbedingten Sperrung (was nicht selten vorkommt) großes Chaos entstehen lassen. Fast schon amüsant ist Thürks Äußerung, dass ein Streckenausbau unter rollendem Rad schneller ginge als ein Neubau und erwähnt dabei ausgerechnet den Abschnitt Stelle-Lüneburg. Die Tatsache, dass von der ersten Planung bis zur Fertigstellung der ca. 27 km langen Strecke mehr als drei Jahrzehnte vergingen, ignoriert er. Die Breimeier-Variante ist die Trasse, die das Verkehrsmittel Eisenbahn am meisten stärkt, Lasten verteilt, SPNV-Reaktivierungen ermöglicht, eine Ausweichroute im Falle des Ausfalls der Stammstrecke Lüneburg-Harburg ist und eine lange gekappte West-Ost-Verbindung zu neuem Leben erweckt. Das sollte auch Herr Thürk als langjähriger Eisenbahner bedenken.

 

Thilo Clavin

VCD Regionalverband Elbe-Heide

Lüneburg

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