Wer nichts zur Lösung beiträgt, ist Teil des Problems…

Am vergangenen Mittwoch haben die Pläne zur Erweiterung des Krippenplatzangebotes in Suderburg einen weiteren, heftigen Rückschlag erlitten. Eine Mehrheit der Ratsmitglieder zeigte sich bis zur Starrheit unflexibel, unerbittlich und unwillig.

Dem Architektenteam Fischer, Martens und Behn war der Auftrag erteilt worden, zu prüfen ob ein Krippenneubau zwischen die vorhandene Bausubstanz paßt (Variante III). Überraschend stellte es auf der Ratssitzung nun zusätzlich eine komplett neue Variante (IV) vor, die Architekt Fischer, nicht ganz ohne Stolz, als Beitrag des Architektenbüros „zur Lösung der doch recht festgefahrenen Fronten“ sah.

Alle Wünsche werden erfüllt: Ein Neubau für die Gruppenräumen, großzügige Büros, Lager- und Nebenräume, Kernsanierung und langfristiger Erhalt der alten Schule…

Bei dieser Variante werden tatsächlich alle vorliegenden Wünsche unter Einhaltung des Kostenrahmens erfüllt: Die der Eltern nach Gruppenräumen in einem Neubau; die des Bürgerbegehrens, dass die alte Schule erhalten bleibt und die der Erzieherinnen, die sich neben modernen Gruppenräumen auch großzügige Nebenräume und eine übersichtliche, großzügige Außenspielfläche wünschen, damit der Kontakten zu den anderen Gruppen unkompliziert möglich ist.

Auch die Bedenken einzelner Ratsmitglieder versuchte das Architektenteam abzuräumen: Man hatte die Zeit genutzt, die alte Bausubstanz tiefer und gründlicher zu prüfen, um spätere Überraschungen weitestgehend auszuschließen. So ermöglichten gezielte Einblicke unter die Fußböden, in Decken, Mauerwerk und Balkenlagen nun eine sehr genaue Kalkulation.

Mit dem neuen Konzept sind auch die statischen Probleme vom Tisch. Sie waren von Anfang an kein Problem der alten Bausubstanz, sondern den umfangreichen Umbaumaßnahmen geschuldet, wie Martens erläuterte. Nun gibt es ein Raumkonzept, bei dem alle Wände stehen bleiben und lediglich zwei Türdurchbrüche statische Verstärkungen erfordern. Auf Nachfrage bestätigte er mehrfach, dass das Gebäude komplett kernsaniert wird: Es erhält eine neue Sohlplatte, neue Fußböden, neue Elektro- Wasser und Abwasserinstallationen, eine moderne Heizung, eine komplette Dämmung der Außenhülle, der Decke zum Obergeschoss oder, wenn gewünscht, auch des Daches. „Wenn wir damit durch sind, ist das Gebäude fit und mängelfrei für die nächsten Jahrzehnte“.

In der jetzigen Planung wird nur das Erdgeschoss genutzt, ein Ausbau des Dachgeschosses ist jedoch problemlos möglich. Sollte es irgendwann einen Bedarf für eine dritte Gruppe geben, kann der Anbau problemlos mit einem entsprechenden Raummodul erweitert werden.

Beide Architekten waren überzeugt, das die neue Variante IV in jeder Hinsicht die optimale Lösung für Suderburg ist, zumal die Variante III, der Neubau zwischen den Gebäuden, eine „gequetschte“ Lösung ist. Dabei musste jeder Zentimeter zu den vorhandenen Gebäuden genutzt werden. Möglich wird der Neubau auch nur, wenn vom Anbau der alten Schule der Dachüberstand entfernt und die Giebelseite komplett verschlossen wird. Das gibt jedoch Probleme. Durch die Bürgerbefragung ist das Gebäude der alten Schule geschützt. Zum Gebäudekomplex gehört dabei auch der Anbau, der im Bauantrag von 1908 mit enthalten ist. Das trug Gemeindedirektor Thomas Schulz vor, der die damaligen Unterlagen geprüft hat.


Das der bisherige Anbau der alten Schule bei der Variante IV einem neuen Anbau weichen muss, dürfte für die Initiatoren der Bürgerbefragung kein Problem sein, sondern ein guter Kompromiss: Die alte Schule wird in diesem Fall kernsaniert, erhält eine neue Nutzung und ihr Erhalt ist dadurch langfristig gesichert. Gleichzeitig werden für die Krippe moderne Gruppenräume angebaut, die den Bedürfnissen der Kinder, Eltern und Erzieherinnen langfristig gerecht werden.
Die Gemeinde erhält eine schnelle und gute Lösung im Kostenrahmen.

Die Initiative der Bürgerbefragung trägt mit diesem Kompromiss
zu einer guten Lösung bei.


Bei einer Variante III sieht das alles komplett anders aus: Da nicht feststeht, wie in diesem Fall die alte Schule und ihr Anbau zukünftig genutzt wird/werden kann, muss für die Bürgerbefragung die Zugänglichkeit der Giebelseite erhalten bleiben: Hier befinden sich z.B. eine Garagenzufahrt und eine Bodenluke für den Dachboden die funktional bleiben müssen.

Die Gemeinde Suderburg gerät in ein Dilemma: Die Politik hat einen Neubau beschlossen, den sie kurzfristig nicht planen/beauftragen/ausführen lassen kann – denn coronabedingt verlängert sich die Bürgerbefragung um bis zu sechs Monate – dann dürfte es 2022 sein. Endet die Befragung erfolgreich, kann der Neubau aufgrund des fehlenden Platzes nicht gebaut werden. Endet es negativ, könnte die alte Schule theoretisch abgerissen werden. Der Neubau an seinem jetzt geplanten Standort wäre nicht sinnvoll und könnte durch den Erstgeplanten ersetzt werden.

Bereits auf der Ratssitzung wurde die Bürgerbefragung beschimpft. Es wurde versucht sie für die jetzige Situation verantwortlich zu machen: Sie ist es aber nicht!

Die Politik hat keinen Beitrag geleistet und eine Lösung verhindert.
Die neue Variante IV war weder im Bauausschuss
noch wurde sie öffentlich bekannt gemacht.
Mit ihrem „Schnellschuss“ für die Variante III,

ist die Politik nun ein Teil des Problems.


Zusammengefasst:

Nachdem die Architekten ihre zusätzlich und neu entwickelte Variante IV (Anbau an die Alte Schule) vorgestellt hatten, die

+ allem und allen gerecht wurde
+ jedem die Möglichkeit bot, die Angelegenheit gesichtswahrend und erfolgreich zu einem guten Ende zu bringen,
+ im Kostenrahmen blieb
+ von zwei anwesenden Erzieherinnen begeistert als „DIE optimale Lösung“ tituliert wurde
+ den Kindern gut 120 m² mehr Außenspielfläche bot
+ dem Bürgerbegehren ein vorzeitiges Ende ermöglicht hätte
+ Statikprobleme ausschloss, die durch umfangreiche Umbauten am alten Baukörper entstanden wären
+ alle Bedenken gegen die alte Bausubstanz erledigte

Großzügige Außenspielflächen, locker bebautes Gesamtgrundstück, ausreichend Platz ggf. für den Ausbau für eine dritte Gruppe.

entschied sich der Rat für die Variante III (Neubau zwischen den Gebäuden), die

– eine Gebäudedichte „wie Haare auf dem Hund“ schafft
– keine Ausbaumöglichkeiten bietet
– die Außenspielfläche der Kinder um 120 m² einschränkt
– die Beaufsichtigung der Kinder unübersichtlich und sehr schwierig macht
– die Nebenflächen für Büro, Lager, Dingsda- und Personalraum um 70 m² (!) reduziert
– bei erfolgreichen Bürgerbegehren baurechtlich nicht genehmigungsfähig ist
– erst bei negativem Verlauf des Bürgerbegehrens begonnen werden kann, weil damit baurechtlich eine Verkleinerung des Anbaus der Alten Schule notwendig ist

Spielfläche (Rot 268 m²+Grün 452 m²=720 m²) unter Ausnutzung der letzten Ecken. Wie sollen hier Kinder spielen/beaufsichtigt werden???
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2 Kommentare

  1. Jessica Vogt Antworten

    Die Variante IV ist m. E. ein toller Kompromiss, den das Architekturbüro Fischer/ Martens da geschaffen hat! Es ist für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation
    und die Bedürfnisse der Eltern, der Erzieherinnen und Kinder werden in Variante IV berücksichtigt, die Kosten sind kalkulierbar und Suderburg behält ein Wahrzeichen. Es wäre sehr begrüßenswert, wenn sich unsere gewählten Politiker/ Politikerinnen auf die Variante IV einlassen würden.

  2. Gode von Korff Antworten

    Damit ist das Bürgerbegehren ein sinnvolles Unterfangen, wenn die Lösung IV nun die Vorstellung und Wünsche aller Beteiligten für den Bau einer neuen Krippe aufgreift. Dieses Konzept ist sehr begrüßenswert, zumal es dazu auch noch kostenmäßig sinnvoll ist Endlich ist die perfekte Lösung in erreichbarer Nähe! Ich kann nur Alle ermutigen sich für die Lösung IV zu entscheiden, damit das Projekt schnell.auf den Weg gebracht werden kann! Danke an Alle, die das Bürgerbegehren unterstützt haben!

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