„Der Bahn ist egal wo sie lang fährt“



Am vergangenen Freitag (8. 8. 2014) besuchte unsere Bundestagsabgeordnete der SPD, Kirsten Lühmann, mit ihrem roten Info-Mobil Suderburg. Sie wurde auf dem Parkplatz des Sparmarktes von einer ca. 70-köpfigen Demonstrantengruppe empfangen, die mit Transparenten und Plakaten ihren Unmut über die Y-Trasse und deren mögliche Varianten ausdrückte. Das Thema dominierte dann auch die Veranstaltung – andere wurden nicht besprochen oder richtigerweise mit einem „das gehört hier nicht her„ (A39) abgewürgt.

Am Info-Mobil war für Bratwürste und Getränke gesorgt. Kurzfristig fehlte hier Würze und Schärfe (der Senf war alle), bei den Fragen der Bürger ging die nie aus…

Auffällig war eine geringe Beteiligung der Suderburger an der Veranstaltung. Der Protest kommt in der Hauptsache aus dem Gerdauer/Bohlsener Raum, wo sich kürzlich eine BI gegründet hat. Die Suderburger leben seit 150 Jahren mit der Hauptstrecke vor ihrer Tür – und gleichzeitig mit dem kontinuierlich zunehmenden Verkehr. Für sie wird sich nicht viel ändern, egal welche Variante den Vorzug erhält – und insofern ist ihre Haltung eher pragmatisch.

Fatal haben sich für etliche von ihnen aber die neu errichteten Lärmschutzwände der Bahn ausgewirkt, die den Schall in Richtung Graulingen verstärken. Daher kam dann auch die berechtigte Forderung an die Politikerin, dafür zu sorgen dass hier schnellstens nachgebessert und darüber hinaus in leisere Achsen, Weichen und Räder investiert wird. Nur sie können zu einer deutlichen Minderung des Lärms beitragen – für alle Bahn-Anlieger.

Daran wird gearbeitet, erklärte Kirsten Lühmann. Bis 2016 sollen die Wagons der Bahn mit der leiseren Technik umgerüstet werden. Ab 2020 dürfen dann nur noch derart umgerüstete Wagen auf den deutschen Strecken zum Einsatz kommen. Allerdings ist das auch ein europäisches Problem, weil nicht zu verhindern ist, dass sich moderne und alte Technik im innereuropäischen Verkehr mischen. Aber auch da sei man dran.

Die entscheidende Aussage zu den veröffentlichten Varianten der geplanten Y-Trasse machte Lühmann mit dem Satz, dass es der Bahn egal ist wo sie lang fährt. Sie hat die anfallenden Güter zu transportieren und einen höheren Bedarf für die Zukunft angemeldet. Über den Streckenverlauf entscheidet die Politik und nicht die Bahn – und das sollte jedem auch bewußt sein.

Die Aussagen Kirsten Lühmanns waren sachkundig und fundiert. Sie hat sich nicht gescheut auch unangenehme Dinge zu benennen wie z.B.: „Wir werden ein höheres Transportaufkommen bekommen und damit mehr Lärm – wir wissen nur noch nicht wo. Grundsätzlich kommen wir daran aber nicht vorbei…„.
Lühmann hat ihre Sympatie für die Initiative der Bürger bekundet, aber nicht versucht Illusionen zu verkaufen. Sie hat alle Betroffenen aufgefordert, sich in das Bürgerdialogverfahren einzubringen. Vom Bundesverkehrsminister gibt es dazu die Zusage, dass keine Meinung, kein Argument unter den Tisch fallen wird.

Protest

Fazit zur Veranstaltung

Die Diskussion um die Y-Trasse und ihre Varianten wird anschwellen. Zum Schluß wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Strecke Ashausen–Suderburg dabei herauskommen. Alle Zahlen, Fakten und auch die Kosten sprechen dafür.
Aber nicht nur die, auch die Bürgerbeteiligung spricht dafür: Auf dieser Route sind die wenigsten Menschen betroffen. Selbst wenn sie gute Argumente in die Diskussion einbringen, es werden die wenigsten guten Argumente sein. Alle anderen haben mehr – und nicht weniger schlechte.

Vielleicht wäre es deshalb gut, schon mal dass für viele Undenkbare zu denken und einen Plan B zu entwickeln. Nicht nur darüber nachzudenken, wie man die Strecke verhindert, sondern darüber, wie sie aussehen und ausgestattet werden müßte, damit sie möglichst umwelt- und bürgerschonend bei uns durchgehen kann. Dabei könnten dann auch ein paar Dinge „für uns drin sein„, die eine Verbesserung an den Problemstellen der Bestandsstrecke für viele bringen könnten.
Und dafür ist es natürlich gut, wenn wir eine starke Vertretung in der Politik haben, die „unser Fell„ so teuer wie möglich verkauft.
Kirsten Lühmann kann ich mir gut dafür vorstellen – sie hat die Kompetenz und sitzt an den richtigen Stellen (Bundestag: Verkehrsausschuss, Innenausschuss; Gemeinsamer Ausschuss für Bundestag und Bundesrat; Aufsichtsrat der Bahn…).

Verhindern kann sie für uns Ashausen–Suderburg nicht, und dass hat sie auch deutlich gesagt: „Ich habe nur eine Stimme wenn es zur Abstimmung kommt – ich entscheide das nicht alleine„.

ap

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5 Kommentar


Werner Bollhorn
08/10/14

Ja, als Anwesender auf der Veranstaltung, kann ich sagen, Frau Lühmann hat die zur Zeit beantwortbaren Fragen den Anwesenden kompetent und sachlich beantwortet. Sie ist nirgends ausgewichen. Sie hat Klartext geredet.

Aber was ist das?

Nur eine Stunde später war anscheinend alles anders. Auf suderburg.de kann man nachlesen, unsere RatsvertreterInnen der SG-Suderburg haben mit ihr noch eine Geheim-Veranstaltung zum selben Thema abgehalten.
Anscheinend haben dagegen hier unsere kommunal-politischen VertreterInnen die besseren, kompetenteren Fragen gestellt:
- Frau Kirsten Lühmann ging letztendlich aber auf jede der Fragen unseres SG-Bürgermeisters Friedhelm Schulz – mit vielen Ergänzungsfragen der Gemeindebürgermeister und Kommunalabgeordneten – ein, und sagte zu, sich der noch nicht zufriedenstellend beantworteten Fragen anzunehmen und die Antworten nachzuliefern.-

Warum bloß trauen sich unsere gewählten Vertreter nicht, ihre klugen Fragen zu stellen wenn die wirklich Interessierten dabei sind? War etwa das Vorgehen der Bahn, mit Ausschluss der Öffentlichkeit bei der ersten Vorstellung, doch ganz in ihrem Sinne?
Vielleicht erfahren die Menschen mit ihren Plakaten diese Fragen ja auf der Ratssitzung in Eimke am 21.8. Nach all den neuen Erkenntnissen müsste sich das ja nun in der beabsichtigten Resolution der Eimker niederschlagen. Man kann gespannt sein.

Oder haben unsere gewählten VertreterInnen etwa schon alles erreicht, was für sie erreichbar scheint?
- Auch wenn nicht ad hoc alle Fragen von ihr beantwortet werden konnten, so konnten die rd. 20 Teilnehmer/Innen am Ende dennoch mit einem recht zufriedenen Gesichtsausdruck ins Wochenende gehen.-


Italiano
08/11/14

Schade, dass die Politik im Suderburger Land ihr Versprechen, im Schulterschluss mit „sonstigen Protestlern ihre Aktivitäten zu koordinieren“ nicht wirklich ernst gemeint hat, sonst hätte sie ihr Treffen mit Frau Lühmann am vergangenen Freitag an die Gruppen im kommunalen Bereich, die sich aus Bürgersicht gegen die Bahnpläne wehren, kommuniziert und jeweils einen Vertreter eingeladen!
Genauso schade ist es, dass die Politik auch aus ihren Fragen, die sie an die Abgeordnete Lühmann gestellt hat, ein Geheimnis macht. Zitat: „Auch wenn nicht ad hoc alle Fragen von ihr beantwortet werden konnten, so konnten die rd. 20 Teilnehmer/Innen am Ende dennoch mit einem recht zufriedenen Gesichtsausdruck ins Wochenende gehen.
Frau Kirsten Lühmann ging letztendlich aber auf jede der Fragen unseres SG-Bürgermeisters Friedhelm Schulz – mit vielen Ergänzungsfragen der Gemeindebürgermeister und Kommunalabgeordneten – ein, und sagte zu, sich der noch nicht zufriedenstellend beantworteten Fragen anzunehmen und die Antworten nachzuliefern“.
Wer die Abgeordnete Lühmann vor ihrem Info-Mobil in Suderburg live erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, dass sie eine Antwort schuldig bleiben könnte. Warum teilt der SG-BM denn nicht mit, um welche so wichtigen oder schwierigen Fragenkomplexe es gegangen ist? Haben die Menschen etwa kein Anrecht darauf zu erfahren, was ihre Volksvertreter ggf. mit dem Mitglied des Deutschen Bundestag zu besprechen hatten? In dieser unseren Demokratie ist immer noch das Wahlvolk der Souverän, dem sind letzendlich alle Abgeordneten verpflichtet sind, weil sie von ihm das Mandat erhalten. Die ehemaligen DDR-Bürger haben ihren Staat unter anderem damit herausgefordert, dass sie skandierten: Wir sind das Volk!


ap
08/11/14

Dazu paßt, dass scheinbar nur ausgewählte Presse-Teilnehmer anwesend sein „durften“. Die Tagespresse war da, DIE ZEITUNG hat nur hintenherum und leider viel zu spät von dieser Runde erfahren – wir wären sonst mit Sicherheit dort gewesen.
War das Absicht? Und wenn, von wem?

Ein Grund könnte sein, dass alle Fragen (auch die, die unbeantwortet geblieben sind) und die entsprechenden Antworten, am nächsten Tag an dieser Stelle veröffentlicht worden wären.

Der (mit „Schönen Grüßen aus Bohlsen“) einladende (neue) Gerdauer Bürgermeister Volker Schulz kann sich warm anziehen, wenn das zum neuen Stil gehört…


Graulinger
08/11/14

Kommentare zu dem Thema Alternativtrassen der Bahn sollten sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen. Die immer wiederkehrenden Kommentare in der Suderburger Zeitung, darüber wer angeblich wieder in der Samtgemeinde(-Politik) welche Fehler macht, nerven!! Nicht nur zum Thema Bahntrasse.
Suderburg wird von den Plänen der Bahn betroffen sein – Ja! Ob die Pläne der Bahn zu den alternativ Varianten zur Y-Trasse und die entsprechenden Berechnungen dazu (u.a. zum Güteraufkommen) eine plausible Grundlage haben, fragt bisher kaum einer. Das insbesondere alle Aussagen zur Lärmminderung durch die Bahn und deren Vertreter ( Frau Lühmann gehört dem Aufsichtsrat der DB an) geschönt sind, wissen alle Graulinger aus den Erfahrungen der letzten Jahre. Dazu gehörte kürzlich die Aussage der Bahn, dass die Anzahl der vom Bahnlärm betroffenen Wohneinheiten in Graulingen nicht ausreicht, um aktive Lärmschutzmaßnahmen (Lärmschutzwand) durchzuführen. Die Bezuschussung von passiven Lärmschutz (Schallschutzfenster) sitzt die Bahn aktuell in Gaulingen aus. Güterverkehr in unmittelbarer Nähe zu bewohntem Gebiet (Suderburg!!!) weiter zu verstärken wäre eine Zumutung für die Anwohner. Der Landkreis Uelzen und auch unsere nördlichen (LG) und südlichen (CE) Nachbarn haben momentan nichts von den Plänen. Im Gegenteil! ICE Züge werden in Zukunft u.a. Uelzen westlich umfahren können und der Güterverkehr fährt geballt und ungestört u.a. auf der „Bestandsstrecke“ durch Suderburg. Natürlich ist dafür ein weiteres Gleis an der Bestandsstrecke mind. bis Unterlüß nötig. Wer anderen Aussagen zum Konzept der Bahn bei der Nutzung der möglichen Neubaustrecke glauben mag – bitte schön! Die Bürger(-innen) und die Politik der Samtgemeinde sollten auch bei diesem Thema an einem Strang ziehen. Auseinandersetzungen und Diskussionen gewünscht, aber bitte keine Kleinkriege auf offener Bühne.


Stoppelhopser
08/11/14

„Am Ende wird Ashausen-Suderburg dabei herumkommen.“ ???
Wirklich ? Weiß der Autor etwas, das andere noch nicht wissen ?
In allen anderen Landkreisen formiert sich extremster Unmut und Gegenwehr gegen die geplanten Neubaustrecken. Gottseidank. Denn so geht der vermeintliche „hier sind am wenigsten Menschen betroffen“-Beschiß nicht auf.
Hier sind nicht am wenigsten Menschen betroffen, denn wenn , der Neubaustrecken kommt, muss zwangsläufig auch die Amerikalinie ausgebaut werden. Diese beiden Strecken zusammen übertreffen schon die Zahlen aller anderer Varianten. Wenn man dann aber noch so fair wäre, und einmal offen auspräche, dass die Bewohner entlang der Altstrecke Lüneburg-Uelzen-Celle weiterhin unter den Auswirkungen des stärker werdenden Güterverkehrs zu leiden haben werden (hier muss ja nicht in adäquaten Lärmschutz investiert werden, da ja nicht gebaut wird), dann werden die Zahlen der Bahn, die übrigens noch niemand wirklich auf ihre Grundlagen hinterfragt hat, vollkommen absurd !
Es ist bitter, wenn dann der Autor dieses Artikels so kaltschnäuzig schreibt.
Lieber Schreiber: die Menschen entlang der ehemaligen Y-Trasse haben so etwas auch schon nachgeschrieben bekommen. Und wo stehen sie heute ?

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