Widerstand gegen den Bestandsstreckenausbau



Gut 50 Bürger aus Hamerstorf, Klein Süstedt, Suderburg und Räber trafen sich am 12. September im Schützenhaus in Hamerstorf zu einem Informationsabend. Eingeladen dazu hatten Eberhard Lindloff und Eckhard Foth aus Hamerstorf. Unterstützt wurden sie von Tobias Schütte aus Hansen, der zur Gerdauer BI gehört und die möglichen Varianten der Bahn vorstellte.

Akribisch haben die drei Informationen zusammengetragen, die den Ausbau der Bestandsstrecke, aber auch die Folgen einer Neubaustrecke Ashausen–Suderburg für die Gemeinde Suderburg in einem neuen Licht zeigen. Die Auswirkungen für die vier genannten, betroffenen Orte wären massiv. Rein bautechnisch für Suderburg sogar erschreckend.

Oder wußten SIE, dass es im Bereich Bahnhof Suderburg in Richtung ehemaliges Bahnwärterhäuschen (heute Vereinshaus Rottis) zu einer Überbauung der jetzigen Strecke für eine Einfädelungsspur kommen würde?
Wer sich die Höhe eines solchen Bauwerks nicht vorstellen kann, sollte sich einen Eindruck an Veerssener Bogen holen, wo zwei Strecken übereinander verlaufen. Mit dieser Lösung wären dann z.B. auch die Twieten in Suderburg erheblich betroffen, die damit den Schall „von oben„ bekommen.

Aber nicht nur: Acht statt zwei Weichen sind in der Planung und an Weichen entsteht zusätzlich erheblicher Lärm. Straßen müssten verlegt werden, neu zu bauende Schienen, auf denen Züge mit bis zu 300 km/h entlang rasen, verlaufen unmittelbar an vorhandenen Wohngebäuden entlang.

In Hamerstorf wackeln schon heute die Wände, wenn der tägliche Erz-Zug über die Strecke mit moorigem Untergrund rollt. Die Frequenz der Züge würde sich verdoppeln von heute 240 auf dann 480 am Tag. Das bedeutet im Extremfall: alle drei Minuten ein Zug… auch die Räberaner und Klein Süstedter dürfen sich schon mal freuen…

„Das wollen wir hier nicht„, so Eberhard Lindloff in seiner Einleitung, „wir wollen aber auch nicht sagen ‚baut die Strecke da oder dort‚ – dass sollen andere entscheiden. Wir wollen nur für uns sprechen„.

Dass das nicht einfach wird, wurde in der anschließenden Diskussion deutlich. Alle vier Suderburger Räte haben sich in hastig durchgepaukten Resolutionen für einen Ausbau der Bestandsstrecken ausgesprochen. Damit haben sie sich und ihren Bürgern ein Kukucksei ins Nest gelegt. Die Bürger der Gemeinde Suderburg wären aus diesem Grund im kommenden Bürgerbeteiligungsverfahren auch schlecht vertreten, wenn die Samtgemeinde tatsächlich vier Abgeordnete stellen darf und diese aus den Räten abgeordnet würden. Das jedenfalls hat Friedhelm Schulz soeben beim Land Niedersachsen beantragt hat, nachdem gemunkelt wurde, dass der komplette Landkreis insgesamt nur vier stellen darf.

Hier muß schnellstens ein Umdenken stattfinden, dass war ein Fazit der Veranstaltung.
Bei aller Sympathie, für seine gewohnt lockere Haltung: Ganz so einfach, wie Bürgermeister Hans-Hermann Hoff das an dem Abend herunterspielen wollte, sollte es sich die Politik nicht machen. Er meinte, die Resolutionen wären quasi nicht so schlimm, weil „sie sowieso vermutlich niemand lesen oder zur Kenntnis nehmen wird„. Mit solcher Laissez-faire sollte man keine politischen Resolutionen machen…

Ein weiteres Fazit des Abends war, dass man aktiv werden und etwas machen muß. Dazu war ein Großteil der Anwesenden auch bereit. Von einem Anschluß an die Gerdau-Bohlsen-Eimker-BI hielt die Mehrheit aber nicht soviel, da diese Initiative sich ja auch eindeutig für einen Bestandsstreckenausbau ausspricht.

Grundsätzlich paßt die Zielrichtung einer hiesigen Initiative natürlich zum „Aktionsbündnis gegen Bahntrassen in der Ostheide„. Sie sollte aber Wert auf die eigene Position legen, damit sie am Schluß nicht unter die Räder kommt. Bisher haben sich ALLE Resolutionen und Initiativen gegen Neubau und für den Ausbau der Bestandsstrecke ausgesprochen – aber: DAS WOLLEN WIR HIER NYCHT!

Bestandsstrecke2

Eckhard Foth hat zugesagt, dass von ihm zusammengetragenen Material zur Verfügung zu stellen.
Auf suderburg-online.de wird es dann (weil aus vielen technischen Zeichnungen bestehend, zum besseren Verständnis optisch etwas überarbeitet) kurzfristig veröffentlicht.

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1 Kommentar


ap
09/15/14

Wortklaubereien

Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz hat in einer eMail auf einen Fehler im Bericht hingewiesen:
Die Darstellung durch den Satz: „Alle vier Suderburger Räte haben sich in hastig durchgepaukten Resolutionen für einen Ausbau der Bestandsstrecke ausgesprochen“ …
sei „nicht richtig, sie sei sogar falsch.“

Seine Begründung: „Alle Gemeinderäte und der SG-Rat haben sich eben nicht allein für den Ausbau der Bestandsstrecke, sondern „…für den Ausbau der Bestandsstrecken“ (= Plural) ausgesprochen. Es kommen hierfür mehrere Strecken in Betracht. …“

Mit dem fehlenden „n“ hat Schulz Recht, richtig muss es heißen: „Bestandsstrecken“. (Ist korrigiert)

Der Versuch dann, in seiner Begründung den Eindruck zu erwecken, dass die Resolution auch andere Bestandsstrecken gemeint hätte (beispielsweise die OHE-Strecke), ist aber eher Wunschdenken.

Welche damit wirklich gemeint waren konkretisiert die Vorlage des Verwaltungsausschusses zur Sitzung des Suderburger Gemeinderates am 14.7.2014 in Hösseringen, in dem es heißt:

„Auf der anderen Seite betrachten wir die Machbarkeit des Ausbaus der Bestandsstrecken „Hannover – Hamburg“ und „Stendal – Bremen“ durch die vorliegende Studie als nachgewiesen. Die höheren Ausbaukosten bei dieser Variante müssen allein schon aus ökologischen Gründen hinter dem Schutz vorhandener Naturräume zurücktreten.
Um den genannten Fakten in zunächst angemessener Weise Rechnung zu tragen beschließt die Gemeinde Suderburg eine Resolution für den Ausbau der Bestandsstrecken.“

Nachzulesen hier.

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