Man kann das so oder so sehen. Zuerst mal sarkastisch: Da haben sich zwei „schräge Vögel“ mit unterschiedlichem Parteibuch, die man in der Ornithologie mit etwas Phantasie auch als „komische Käuze“ bezeichnen kann, zusammengetan, haben ihre Flügel ausgebreitet und – hin und zurück – quer durch den Wald die Route Hösseringen-Unterlüß abgeflogen. Gemeinsam übereinstimmend sind sie fündig geworden: Auf der Wegstrecke fehlt was. Fehlen täte der motorisierte Bus-, PKW- und Motorradverkehr. Als Störfaktor wollen die Käuze aus CDU und SPD ihre Diagnose und Therapie allerdings nicht verstanden wissen, sondern als Bereicherung des Tourismus und der nicht genug Profit abwerfenden Forstwirtschaft. Und auch, weil das Museumsdorf bislang regelmäßig Miese macht. Mehr Eintritt zahlende Gäste, die aus der Ferne per Bus, per Wohnmobil, per PKW oder per Motorrad anreisen, sollen der klammen Kasse zukünftig aus der finanziellen Patsche helfen. Soweit zur Idee von CDU und SPD.
Man kann das alles allerdings auch anders sehen. Vermutlich wird der eine oder andere von Ihnen, soweit er die AZ liest, am 17- 8. unter der Überschrift, „Ausbau des Daller Weges?“, gelesen haben, dass CDU und SPD im Kreistag gemeinsam (im Vorgriff auf eine nicht auszuschließende ‚Große Koalition‘ nach dem 22. 9.?) „richtungsweisende“ Beschlüsse herbeiführen wollen, den bestehenden kilometerlangen malerischen Waldweg zwischen dem Museumsdorf Hösseringen und dem Ort Unterlüß, der bisher nur, allein schon wegen der vielen Schlaglöcher, von sehr wenigen Autofahrern benutzt wird, dafür aber umso mehr von Spaziergängern und (Fahrrad-)Wanderern, vom Hoch- und Niederwild, und natürlich von „Karl dem Käfer“, straßenbaulich in eine befestigte, „wassergebundene“ Piste für Touristenbusse und sonstige motorisierte Fahrzeuge umzuwidmen. Uelzens Kreis-SPD, das WIR-Gefühl entdeckend, tut sich bei dieser Schnapsidee besonders hervor. Ihr Antrag steller, Andreas Dobslaw, einschlägig negativ vorbelastet als A-39-Fan, der in Anlehnung an einen verballhornenden Wahlkampfspot aus dem Jahre 1972 des Satirikers und Künstlers Klaus Staeck scheinbar darauf aus ist, noch weitgehend unberührte Natur zu ruinieren, auch wenn alle von Umweltschutz reden, begründet die CDU-SPD-Kopulierung so: „Nur die direkte Anbindung an das überregionale Straßennetz läßt eine signifikante Verbesserung der Besucherzahlen im Museumsdorf erwarten und würde darüber hinaus auch eine Vernetzung mit anderen touristischen Zielen in den Landkreisen Celle und Uelzen ermöglichen“. Das seien Synergieeffekte. Von Uelzen oder Suderburg käme man schnurstracks schneller nach Celle und von dort in die Landeshauptstadt. Und von dort oder von noch weiter südwestlich in unser Dorf.
Strukturell zielführend nennen das die CDU-SPD-Käuze. Klingt eigentlich ganz plausibel, oder?
Keine Frage, in unserer Region ist das Museumsdorf Hösseringen ein Juwel.
Das festzustellen, bedarf es allerdings weder der CDU noch der SPD, zumal diese krude Straßenausbauidee quer durch unberührte Natur im Grunde genommen aufgewärmter „(k)alter Kaffee“ ist. Vor Jahren wurde sie von Suderburgs SPD auch noch mit der Überlegung begründet, eine direktere relativ kurze Anbindung zwischen Suderburg und Unterlüß könnte dazu führen, dass in Unterlüß beruflich z. B. bei Rheinmetall Beschäftigte sich in Suderburg auf günstigeren Bauplätzen ansiedeln könnten. Daraus wurde allerdings, in diesem Zusammenhang jedenfalls, nichts.
Der Daller Weg – so heißt der Waldweg – blieb weitgehend so unberührt von einem automobilen, abgasgeschwängerten „Fortschritt“, wie er Spaziergängern, Wanderern und Fahrradfahrern mit gesunder Luft bis heute erhalten geblieben ist. In Suderburg Wohnende und in Unterlüß arbeitende Menschen gibt‘s im Übrigen seit Jahren auch so, die mit ihrem Auto – wenn sie nicht eh mit der Bahn fahren – den Umweg über Dreilingen nehmen. Nicht überliefert ist, dass ihre Lebensqualität unter dieser etwas längeren Strecke gelitten hätte. Sonst hätten sie sich sicherlich aus Suderburg längst fortgemacht.
Bei ihrem Erkundungstrip auf dem Daller Weg haben CDU + SPD ganz offensichtlich den Wald vor lauter Bäumen aus den Augen verloren. Was für Dobslaw & Co. neben dem Schutzgut Mensch offensichtlich überhaupt keinen Platz in deren „Birne“ hat, ist, dass die Waldstruktur in ihrem Sauerstoffgehalt aufgrund der sich erheblich vervielfältigenden Stickoxyde (C02) bei einem sich vergrößernden automobilen Verkehr negativ beeinträchtigt würde.
Auch scheint diesen Leuten nicht bekannt zu sein, dass das Wild in den Wäldern ausgewiesene Ruhezonen benötigt. Wenn das Wild, egal, ob Hoch- oder Niederwild, den (ich überspitze hier mal etwas) zur „Rennstrecke“ ausgebauten Daller Weg „überfällt“ (das ist der Fachbegriff für überquert), wird es vermehrt Opfer des Fahrzeugverkehrs, als das heute auf dem einsamen Waldweg der Fall ist. Zur „Blattzeit“ z.B. werden Straßen und Wege vermehrt vom Wild förmlich blind für alle Gefahren überquert. Durch den Ausbau von Waldwegen zu Autostraßen gerät die Wildtierpopulation in Gefahr; ihr natürliches Verhalten wird massiv beeinträchtigt. Sinngemäß das gleiche gilt für die Säume von Waldwegen mit ihrer naturbelassenen Flora; auch sie würde durch eine derartige automobile Durchgangsstraße zwangsläufig beeinträchtigt.
Und um abschließend noch mal zu dem Tourismusargument von CDU und SPD zugunsten des Museumsdorfes Hösseringen zurückzukommen: Wer gezielt bei spielsweise Hamburgs Sommerdom oder das Planetarium in Hamburgs Stadtpark, oder den Wildpark Rosengarten etc. pp von Suderburg aus besuchen will, nimmt mit dem Bus, Motorrad oder dem PKW auch einen etwas längeren Umweg in Kauf, auch wenn als zeitgünstigerer „Schleichweg“ ein Waldweg vorhanden ist.
Kurzum: Der Daller Weg sollte unbedingt naturbelassen bleiben. Der Daller Weg sollte nicht als „Tatort Daller Weg“ in die Kriminalgeschichte eingehen.
Borvin Wulf
Siehe auch: Beitrag zum Thema
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