Obdachlos im Imkerhaus

Neue Ausstellung im Museumsdorf Hösseringen

Die Farbtöpfe sind beiseite geräumt und die neue Treppe kann inzwischen genutzt werden – allerdings erst einmal inoffiziell und nur von Mitarbeitern, denn die Ausstellungsräume auf dem Dachboden sind noch nicht ganz fertig. „Daran arbeiten wir derzeit mit Hochdruck“, erzählt Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm – denn schließlich soll die neue Ausstellung am 2. September eröffnet werden und bis dahin ist noch einiges zu tun. Derzeit werden die Schlafkammern der Geschwister Werner und Erna von der Ohe im Dachgeschoss nach den originalen Befunden eingerichtet. Die beiden kleinen, unbeheizten Kammern sind wie das gesamte Haus im Zustand des Jahres 1951 eingerichtet und zeigen die damaligen engen Wohnverhältnisse.

Nach oben geht es allerdings über eine ganz neue Treppe, denn „Kompromisse müssen eingegangen werden, es geht ja um die Sicherheit unserer Besucher“, wie Brohms Stellvertreter, Dr. Björn Thomann, feststellt. Die alte Treppe im Eingangsbereich würde einer täglichen Nutzung nicht mehr standhalten. Oben angekommen führt der Weg erst einmal durch einen Dachraum, auf dem früher Heu und Stroh gelagert wurden. Ein alter Kinderwagen steht hier und eine selbstgebaute Haspel. „Die wurde von den Hausbewohnern aus dem Rad von einem alten Fahrrad angefertigt. Es hatte noch eine Holzfelge“, so Thomann, der sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Geschichte des Hauses beschäftigt hat. „Das Gebäude wurde 1989 mit fast vollständiger Ausstattung ins Museumsdorf Hösseringen übernommen – ein Glücksfall für uns.“ Dank der Translozierung von kompletten Wänden und Gebäudeteilen blieben zudem alle Gebrauchsspuren, die seine Bewohner hinterlassen haben und die das Gebäude so besonders lebendig machen, bewahrt.

Das kleine Fachwerkhaus ist 1844 erbaut worden. 1865 kaufte es der Berufsimker Heinrich Wilhelm Werner von der Ohe, dessen Nachfahren genau 100 Jahre lang die Imkerei im Hauptberuf ausübten. Mit dem Tod seines Enkels Werner von der Ohe im Jahr 1965 erlosch die Tradition der Heideimkerei in Eschede. Natürlich gehört zur Ausstattung auch eine Imkerwerkstatt. Deshalb und wegen seiner Herkunft wurde das Gebäude von den Museumsleuten „Imkerhaus aus Eschede“ getauft.

Die Frau des letzten Imkers Erna von der Ohe geb. Schulenburg, lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1980 hier, danach stand das Gebäude leer. Obwohl – nicht ganz, denn in den Jahren bis zur Umsetzung nach Hösseringen hatte zeitweise ein Obdachloser, dessen Identität nicht bekannt ist, hier Unterschlupf gefunden. Hunger hatte dieser wohl nicht zu beklagen, denn in der Speisekammer fand sich noch allerhand „Eingemachtes“, wovon er sich offenkundig gerne bedient hat. Auch sein Lager ist in einem Zimmer erhalten geblieben und wird in der künftigen Ausstellung gezeigt. Das Imkerhaus kann am Sonntag, dem 2. September, ab 14.00 Uhr besichtigt werden.

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