„Wo der Wolf Fährten hinterlässt“

Workshop im Museumsdorf Hösseringen / Dissertationen im Entstehen

Ein Workshop zum Thema „Wölfe in Niedersachsen“ fand kürzlich im Museumsdorf Hösseringen statt. Hintergrund des von der Universität Würzburg, Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde, in Zusammenarbeit mit dem Museumsdorf veranstalteten Workshops ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt, das die Rückkehr der Wölfe aus kulturwissenschaftlicher Perspektive erforscht. Es wurde von Frau Prof. Dr. Michaela Fenske, die an der Uni Würzburg lehrt, ins Leben gerufen und wird von den Doktorandinnen Irina Arnold (Foto rechts) und Marlis Heyer im Rahmen ihrer Dissertationen bearbeitet. Die Wissenschaftlerinnen luden 17 Expertinnen und Experten von unterschiedlichen Interessen- und Berufsverbänden, so der Landwirtschaftskammer, dem Landesschafzuchtverband, der Interessengemeinschaft Weidetierhalter, des BUND, des Bauernverbandes und der Jägerschaft, sowie Wolfsberater ins Museumsdorf ein, damit diese hier von ihren Erfahrungen berichten und Positionen austauschen. „Das Museumsdorf ist ein guter Ort für ein solches Projekt“, so Prof. Dr. Fenske. „Hier wird hochwertige wissenschaftliche Arbeit geleistet und ich bin dankbar für die Impulse, die uns mit großer Sachlichkeit und Freundlichkeit mitgegeben wurden.“

Das auf drei Jahre angelegte Projekt mit dem Titel „Die Rückkehr der Wölfe. Kulturanthropologische Studien zum Prozess des Wolfsmanagements in der Bundesrepublik Deutschland“ ist international vernetzt und wird im wissenschaftlichen Austausch mit der Universität Zürich und der Universität Turku in Finnland erarbeitet. Es kooperiert zudem mit dem Sorbischen Institut in Bautzen. Irina Arnold hat ihren Schwerpunkt auf das Wolfsmanagement in Niedersachsen gelegt. Ihr geht es um Zusammenhänge im Zusammenleben mit Wölfen, etwa in den Bereichen Agrarökonomie oder Tourismus, mit der Perspektive auf den Alltag und die konkrete Lebenswelt. „Im Fokus stehen Mensch- und Tier-Interaktionen. Ich erforsche die Erfahrungen und das Wissen über Wölfe, insbesondere im ländlichen Raum. Dabei geht es auch um Emotionen, denn diese bestimmen in hohem Maße unseren Alltag“, fasst sie zusammen. Zum Verständnis des Wolfsmanagements hat sie sich vorgenommen, mit vielen Akteurinnen und Akteuren in den Dialog zu kommen und aus deren Eindrücken ein differenziertes Bild zu zeichnen.

Der Forschungsschwerpunkt von Marlis Heyer liegt in der Lausitz. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Narrativen zum Wolf, Bildern und Kontexten, die sich etwa in Geschichten, aber auch in Gesetzestexten und Verordnungen sowie in Presseberichten widerspiegeln. „Ich spüre nach, wo der Wolf Fährten hinterlässt“, erläutert sie und betont, dass die Umstände in einer Region nicht ohne weiteres auf eine andere zu übertragen seien.

Anspruch beider Doktorandinnen ist es nicht, ein Strategiepapier zu entwickeln, sondern ein differenziertes Bild nachzuzeichnen, aus dem Leserinnen und Leser selbst Schlüsse ziehen können. Aus ihren Arbeiten soll zudem eine Wanderausstellung erwachsen, die auch in Hösseringen gezeigt werden wird.

Für das Museumsdorf war dieser Workshop auch Ausdruck der Lebendigkeit der Bildungsstätte Museum, das sich in gesellschaftliche Debatten einbringt. „Hösseringen ist kein Ort, an dem lediglich tote Dinge gezeigt werden. Sie haben das Museumsdorf zu einem Ort gesellschaftlichen Miteinanders gemacht. Das hätte ich gern häufiger hier“, sagte Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm.

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