Wirtschaft: Forschung aktuell – Nachhaltigkeit

Im alltagssprachlichen Gebrauch steht „nachhaltig“ für etwas, das lange andauert, besteht oder wirkt. Hier ist aber die wirtschaftspolitische Bedeutung gemeint. Nachhaltigkeit wird als Prinzip verstanden, welches dafür sorgt, dass alle heute Lebenden ihre Bedürfnisse befriedigen können, ohne die Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung zukünftig lebender Menschen zu gefährden.

Es geht um soziale Gerechtigkeit, ökologische Verträglichkeit und ökonomischen Erfolg. Dabei ist es sehr schwierig diese drei Dimensionen zu gewichten und zu erkennen, welche Bedürfnisse zukünftige Generationen haben werden.

Die Vereinten Nationen setzten 1983 eine Weltkommission für Umwelt und Entwicklung ein, deren Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ das Konzept der nachhaltigen Entwicklung maßgeblich beeinflusst hat.

Wie realisieren Industrie und Handel „Nachhaltigkeit“? Den Konsumenten werden rational-ökonomische Vorteile angeboten, etwa energiesparende Elektrogeräte. Daraus ergeben sich finanzielle und ökologische Vorteile durch geringeren Stromverbrauch bei gleichzeitiger Ressourcenschonung. Manche Kunden möchten sich selbst etwas Gutes tun, kaufen Bio-Lebensmittel oder Kleidung aus Bio-Baumwolle; sie sind gesundheits- oder qualitätsorientiert. Hier präsentiert der Handel passende Angebote, deren Vorteile nicht monetär, aber emotional begründbar sind. In die gleiche Richtung weisen Erzeugnisse aus „fairem Handel“, bei deren Herstellung und Vertrieb auf soziale und ökologische Verträglichkeit geachtet wird. Konsumenten erwerben beim Kauf eines Fair-Trade-Produktes einen ethisch-moralischen Mehrwert. Auch die Logistik strebt nach nachhaltigen Lösungen: höhere Lkw-Auslastungen reduzieren die Transportkilometer, verbrauchsarme Fahrzeuge, z. T. mit Biodiesel und Kühlfahrzeuge mit umweltfreundlichen Kühlmitteln werden nachhaltig betrieben.

Leider konterkarieren vermeintliche Kundenanforderungen die Nachhaltigkeit: immer kleinere Bestellungen, häufige Rücksendungen, sowie schnellere Lieferungen führen zu zunehmenden Transporten. So wird Nachhaltigkeit zum bloßen Lippenbekenntnis, welches passenderweise durch den Schrei eines großen Online-Versandhändlers im allabendlichen Werbefernsehen deutlich gehört, aber nicht kritisch wahrgenommen wird.

Termin vormerken: 26.02.2014, ab 09:00 Uhr: Tag der offenen Tür in der Ostfalia Hochschule, Campus Suderburg

 

Die Kolumne von Prof. Dr. Arnd Jenne, zuständig für Handelsmanagement an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Suderburg berichtet über aktuelle Projekte aus Handel und Logistik.
Heute schreibt Dipl.-Kaufmann Hartmut Sroka

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