Suderburger Bahnhof durchgefallen…



Es stimmt, was der Abgeordnete des Bundestages, Henning Otte (CDU), Ende April über den barrierefreien Ausbau des Suderburger Bahnhofs gesagt hat: „Mit der Ankündigung letzten Jahres haben sich die Bewohner im Bereich Suderburg Hoffnung gemacht.„
Nicht ohne Grund, hatten doch Bundes- und Landtagsabgeordnete der Region Optimismus verbreitet und Einsatz vermeldet, als im Oktober Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) auch den Suderburger Bahnhof zusammen mit anderen Bahnstationen zu dem vom Bund aufgelegten „Zukunftsprogramm für den barrierefreien Ausbau von kleinen Bahnhöfen„ zur Entscheidung nach Berlin gemeldet hatte. Vorgesehene Maßnahme für Suderburg: barrierefreie Bahnsteigzugänge mit Aufzügen, Kosten 1,5 Millionen €.

Am 14. April 2016 stand die ernüchternde Entscheidung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fest: Suderburg ist raus aus der Förderliste. Gründe wurden nicht bekannt, bisher von keiner Seite mitgeteilt.

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und Aufsichtsratsmitglied bei der Deutschen Bahn, Kirsten Lühmann, MdB, (SPD) überbrachte der Öffentlichkeit diese für ihren Wahlkreis unerfreuliche Entscheidung auf eigene Art wie folgt (AZ vom 30.4.16 S. 6): „Bahnhof Suderburg: Umbau-Chancen stehen schlecht„, „hängen in der Schwebe, …. aber wir haben noch eine Chance.„ In zwei Wochen werde sie mit Alexander Dobrindt ein Gespräch führen. „Die endgültige Entscheidung wird dann erst fallen.„

Sechs Wochen verstreichen, lautlos. Aber nun wollte ich es wissen. Einwohnerfragestunde am 14.6.2016 im Samtgemeinderat: Einwohner Schimmack fragt, ob eine Entscheidung zum Suderburger Bahnhof bekannt sei. Samtgemeindebürgermeister Thomas Schulz verneint.

Am 21. Juni Anfrage bei einem Mitarbeiter im Wahlkreisbüro von Frau Lühmann. Nein, Frau Lühmann habe diesmal leider nichts erreichen können. Nachfrage: sind Gründe bekannt, wann und wie wird die negative Entscheidung den Suderburgern bekanntgegeben?
Antwort des Mitarbeiters: das sei nicht vorgesehen, sei bei nachteiligen Mitteilungen auch nicht üblich.

Henning Ottes Informationspolitik über die für seinen Wahlkreis unerfreuliche Entscheidung seines Schwesterpartei-Kollegen Dobrindt verlief sehr ähnlich dem Lühmannschen Muster,
nur etwas straffer. Auf seiner Internetseite heißt es unter dem 22.4.2016: „Inwieweit der jetzige Beschluss noch abgeändert werden kann, will Henning Otte bei einem Gespräch mit dem DB-Konzernbevollmächtigten kommende Woche in Berlin ausloten.„

Wahrscheinlich ist das Schiff mit dem Lotsen untergegangen, denn fortan hörte man von Herrn Otte zu unserem Thema nichts mehr.

So lautet die Antwort auf die Frage nach der Information der Suderburger Bürger: G a r n i c h t

Ergänzender Hinweis zum abgelehnten barrierefreien Ausbau am Suderburger Bahnhof: der Leuphana- Prestigebau in Lüneburg liegt z.Zt. bei 83,8 Millionen € – Tendenz steigend.

Götz Schimmack, unabhängig

1 Kommentar


Werner Bollhorn
07/14/16

nun ja Herr Schimmack, nachdem der Umbau / Renovierung des Bahnhofs letztendlich abgeschlossen war, war wohl nicht zu erwarten, das irgendjemand im Nachgang noch einmal in die Planung für ein oder sogar zwei Fahrstühle einsteigen würde.

Wirklich vielen Dank aber für die Beharrlichkeit der Nachfrage.
Da haben Sie wohl einen Mitarbeiter auf dem falschen Fuß erwischt:
„Antwort des Mitarbeiters: das sei nicht vorgesehen, sei bei nachteiligen Mitteilungen auch nicht üblich.“
Immerhin, da ist wohl noch ein bisschen Ehrlichkeit bei der SPD, wenigstens auf Nachfrage. Bei der CDU werden Sie wohl sogar so eine Aussage vergeblich suchen.

Was lehrt uns das? Ständig werden Nebelkerzen gezündet. Ist im Nebel wider Erwarten etwas zu erkennen, schreien alle „ich war das“, ist in angemessener Zeit nichts zu erkennen, ist nicht mehr auszumachen, wer die Nebelkerze gezündet hat.
Auch Politiker brauchen halt Marketing.
Die Einordnung bleibt letztendlich dem Leser überlassen.

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Götz Schimmack


Unabhängig, Mitglied im Gemeinderat Suderburg

Götz Schimmack schreibt regelmäßig Kolumnen für DIE ZEITUNG zum aktuellen politischen Geschehen.

Er wurde 2011 als Einzelbewerber in den Rat der Gemeinde Suderburg gewählt.
In seinem politischen Wirken setzt er sich für Transparenz und Bürgerbeteiligung ein.

Im Berufsleben war er Jurist bei der Bezirksregierung in Lüneburg. Heute ist er Pensionär.
Schimmack ist Jäger und aktiver Wald- und Naturschützer.

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