Turbulente Bauausschusssitzung



 

Vor vollem Haus tagte der Bauausschuss der Gemeinde Suderburg am Donnerstag dem 26. Juli im „Kaffee Hof„. Dreizehn Tagesordnungspunkte mit zum Teil heftig umstrittenen Inhalten hatten viele Bürger auf den Plan gerufen, die eine Menge Fragen hatten und ihre Meinungen zum Teil mit viel Unmut deutlich äußerten.

Der Ausschussvorsitzende Udo Depner hatte zeitweise Mühe die Diskussionen zu versachlichen und halbwegs zeitlich „durchzukommen“. Das angestrebte Zeitziel 22.00 Uhr erwies sich schon nach kurzer Zeit als illusorisch, um ca. 23.30 Uhr endete der öffentliche Teil der Sitzung – begonnen worden war um 18.00 Uhr. Allein aus diesem Grund kann ich hier nur den Versuch machen, die wesentlichen Punkte auszugsweise darzustellen.

Über den Tagesordnungspunkt (TOP) Ortsdurchfahrt Suderburg berichtete Fachbereichsleiter Rüdiger Lilije und brach eine Lanze für die ausführende Firma STRABAG. Diese sei mit ihren Arbeiten bis zum letzten Freitag gute zwei Wochen dem Zeitplan voraus gewesen. Aufgrund der starken Regenfälle in den letzten Tagen seien jedoch Verzögerungen entstanden, die die STRABAG nicht zu vertreten hat. Außerdem sind Schäden entstanden, die nun erstmal wieder saniert werden müssen. Dadurch gerät die Fertigstellung der Fahrbahndecke in diesem Bauabschnitt in den September.

Lilije kritisierte die Plakate des „Baustellen-Barbeque“ und wies darauf hin, daß die STRABAG überlege Klage zu erheben, wenn dadurch ihre Chancen zunichte gemacht würden, auch den Zuschlag für die Arbeiten im nächsten Jahr zu erhalten.

Das sei lächerlich, weil die Plakate nur mit Galgenhumor das Thema „Baustelle“ aufgreifen um auf die katastrophale Lage der Unternehmen im Ort aufmerksam zu machen. Das richte sich aber keinesfalls gegen die Firma. „Wir versuchen nur irgendwie zu überleben und haben überhaupt nichts gegen die Firma oder ihre Arbeit“, so Carola Lindloff vom Kaffee Hof.

Heiß umstritten war der Zustand der inoffiziellen Umleitungswege. Lilije machte deutlich, daß er mit nur zwei Arbeitern vom Bauhof da wenig ausrichten kann. Es sei auch nicht die Pflicht der Gemeinde für diese Wege zu sorgen, da es eine offizielle Umleitungsstrecke gibt. Trotzdem versuche man natürlich die neuralgischten Stellen irgendwie im Griff zu behalten. Er kritisierte, das eigenmächtig Schilder entfernt oder umgestellt werden. Das sei ein Eingriff in den Straßenverkehr und „nicht ohne“. Mit Udo Depner war er sich einig, daß vieles nicht so toll läuft aber „wir da jetzt durch müssen und es nichts nützt, wenn wir uns über die Zeitungen beharken“.

Kritisiert wurde von einem Bürger, daß es die Straßenbaubehörden scheinbar vergessen haben, die Baustelle und ihre Umfahrungsmöglichkeiten in die Navi-Systeme aufnehmen zu lassen. Fernfahrer fahren heute ausschließlich nach diesen Systemen und interessieren sich nicht für Beschilderungen.

Dazu dann der Hinweis eines anderen Bürgers an den Bauausschuß, daß demnächst die Brücken in Uelzen saniert werden und es zu weiträumigen Umleitungen kommen wird. „Da wird ein gewaltiger Umleitungsverkehr entstehen und wenn man da jetzt nicht aufpaßt und vorbeugend tätig wird, stehen die hier alle bei uns im Dorf“.

Das so etwas Nerven kostet, darüber konnten die Anlieger der Burgstraße berichten. Erst nach Einführung der Einbahnstraßenregelung sei es ruhiger geworden. Letztendlich wünscht man sich eine dauerhafte Lösung zur Verkehrsberuhigung. Eine 30-km-Lösung hat der Landkreis bereits abgelehnt. Nun wurde über Blumenkübel oder Querschwellen nachgedacht. Beides hat Nachteile hinsichtlich der Geräuschentwicklung und auf die Stabilität des Verbundpflaster.
Einig war man sich seitens des Ausschusses darüber, noch einmal in den Fraktionen zu beraten und ggf. einen neuen Antrag auf eine 30-km-Zone zu stellen.
Seitens der Anwohner wurde eine Ausnahmeregelung für Radfahrer beim jetzigen Einbahnstraßenverkehr angeregt, die auch bereits vor vier Wochen schon in der Verwaltung beantragt worden war. Äußert unbefriedigend die Antwort von Reinald Müller auf die Nachfrage des Antragstellers: ein dafür notwendiges Telefonat mit dem Landkreis wurde aus Zeitgründen bisher noch nicht geschafft.

Ein beispielhafter Punkt, der zur Unzufriedenheit in der Bevölkerung beiträgt. Auf Anfragen kommen häufig die Antworten: „nicht zuständig, keine Leute, keine Zeit…“
Dabei ist es ohne Zweifel so, daß alle Zuständigkeiten für die Verkehrsführung beim Landkreis liegen, sich der Ärger also dort entladen müßte. Die Mitarbeiter der Verwaltung stehen oft „im kurzen Hemd“ da, weil der Landkreis sie nicht oder verspätet über Maßnahmen in der Baustelle informiert. Trotzdem beziehen sie die Prügel in der Öffentlichkeit. Verschärfend kommt hinzu das die Verwaltung personell dünn besetzt ist, eine Auswirkung der knappen Kasse. Andererseits erwarten die Bürger von ihrer Verwaltung gerade in solch einer Extremsituation, daß sie von offizieller Seite energisch, offensiv und vorausschauend vertreten werden. So wurde das ja auch kommuniziert: „Die Ämter sind für alle Fragen offen und bemüht, kurzfristig Abhilfe zu schaffen“.
Vielleicht waren diese Versprechungen zu vollmundig, oder unsere „Interessenvertretung“ ist einfach zu schwach oder falsch besetzt.

Zur Beratung in die Fraktionen wurde die Themen „Verlängerung der Straßenbeleuchtung bis 1.00 Uhr“ und „Beleuchtung am Spielplatz Tannrähmsring“ verwiesen. Eine Verlängerung der Beleuchtungszeiten erscheint sinnvoll, da viele Studenten/innen und Arbeitnehmer/innen in völliger Dunkelheit vom oder zum letzten Zug um 0.30 Uhr laufen müssen. Eine nur bereichsweise Beleuchtung der Bahnhofstraße ist ohne relativ aufwändige und teure Umrüstung der derzeitigen Technik jedoch nicht möglich. Detlef Ginkowski wies darauf hin, daß die derzeitigen Leuchtmittel ab 2013 nicht mehr zu kaufen sind. Deshalb müssen generelle Überlegungen angestellt werden, bei der die partielle Beleuchtung bestimmter Straßenzüge berücksichtigt werden könnten.

Das gilt auch für das Thema Tannrähmsring und den dortigen Spielplatz. Es macht keinen Sinn hier jetzt vorhandene Lampen aufzustellen, die dann ab 2013 nicht mehr bestückt werden können.

Der Tannrähmsring war aber auch Thema eines weiteren TOP: er ist bisher unbefestigt und es kommt regelmäßig zu verschiedenen Beschwerden der Anwohner. Seit sieben Jahren leben sie mit Schlaglöchern, Matsch und ganz viel Staub und der Endausbau der Fahrbahn ist noch immer nicht in Sicht, die Verärgerung groß: „Wenn wir vor sechs Jahren gewußt hätten, das wir jährlich vertröstet werden, dann hätten wir dort nicht gebaut“, so eine Betroffene.
Nun soll das Thema im Haushaltsplan 2013 behandelt werden. Die Frage ob und wann dann gebaut werden kann blieb offen.

Unbefriedigend auch die Antworten auf die Fragen einiger Graulinger Bürger. Die Bahn baut Schallschutzwände auf der Seite des Bahnhofs und der Bauausschuss sollte auf der Sitzung über die Farbgebung entscheiden. Warum ca. hundert Meter Schallschutzwand im Bereich des Waldes gebaut werden und nicht auch ein paar Meter auf der Graulinger Seite, auf der Häuser im Abstand von 20 Meter zu den Gleisen stehen, konnte nicht geklärt werden. Die Bauplanung liegt vollständig in den Händen der Deutschen Bahn und man ist seitens Suderburg froh, überhaupt berücksichtigt worden zu sein. Den Anwohnern wurde empfohlen sich um Mittel zu bemühen, die die Bahn für Schallschutzfenster bereit stellt.
Hinsichtlich der Farbgestaltung entschied man sich übrigens für Grüntöne.

Die Erweiterung der Biogasanlage in Böddenstedt war ebenfalls ein Thema, das zur Beratung in den Fraktionen landete und dann im Verwaltungsausschuß entschieden werden soll.
Bei dem Thema (Details siehe Artikel „Putin läßt grüßen“) schieden sich die Geister. Ein allgemeines „Unwohlsein“ war bei vielen zu spüren, weil niemand sagen kann, welche Auswirkungen hinsichtlich der zusätzliche Straßenbelastung und des Geruchs zu erwarten sind. Das größte Problem bei den „Bedenkenträgern“ ist allerdings der Umstand, das 1.500 Tonnen Hühnertrockenkot herantransportiert und in der Anlage „verfüttert“ werden sollen. Alle damit verbundenen Bedenken versuchte Tobias Schütte zu zerstreuen, einer der Betreiber der Anlage.
Sein Hauptargument war der Umstand, daß der Hühnertrockenkot bisher ohnehin direkt auf den Äckern landet. Eine Verwendung in der Biogasanlage sei also sinnvoll, da dadurch zusätzliche Energie entsteht und weniger Kot direkt auf den Flächen landet. Er wies darauf hin, das er die Bedenken der Bürger versteht, der Gesetzgeber die Verwertung von tierischen Exkrementen aber fördert.
Das Interesse an dem Thema scheint bei den Böddenstedtern nicht sehr groß zu sein (außer dem Ratsherrn Hans-Jürgen Drögemüller war niemand anwesend), insofern müssen sie (ungefragt?) mit der späteren Entscheidung leben.
Auch der TOP „Verbindungsweg Burgstraße/Poppelreunsweg“ wurde in die Fraktionen zur Beratung überwiesen. Hier lagen dem Ausschuss drei Anträge vor, von denen der auf „generelle Öffnung  des Weges als Fuß- und Radweg“ nun als einzige vorstellbare Variante verhandelt wird. Götz Schimmack hatte die Geschichte des Weges umfangreich erarbeitet und trug entsprechend vor. Die anschließenden Diskussion mit den Bürgern brachte weitere Details aber nur ein Ergebnis im Zusammenhang mit der Baustelle: Schlecht gelaufen..

 

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