Nachruf. Zum Tod von Alfred Behrens („Schmedske“)



(GS) Wenn ich an seine Kneipe denke, sehe ich sie wieder alle vor mir: Klippen Walter (mit Berta), Hugo und Krischan, Zippi, Schulten Willi und hinter der Theke: Alfred.

Nichts und niemand kann ihn beirren, jeder Griff sitzt – ruhig und gelassen. Als gelernter Gastwirt ist er absoluter Profi, mit Leib und Seele. Und er ist ein Mensch mit Herz – und sehr trockenem Humor.

In aller Gemütsruhe zapft er sein ASTRA und schenkt den Schluck aus Ebstorf aus. Den holt er immer tiefgefroren aus der Truhe und taut ihn im Spülbecken unter dem Wasserhahn auf.

Weil der Schnaps kurz darauf einigen Gästen angeblich nicht mehr schmeckt (zu warm…), muss die nächste Flasche her und die Prozedur beginnt von vorn – unerschütterlich.

Wenn dann mal wieder eine(r) benebelt mit dem Barhocker umkippt, entlockt es Alfred höchstens ein: „Watt dat noch leeger?…“

Und alles geht weiter seinen Gang.

Nur einmal habe ich gesehen, dass er auch anders konnte: da hat er Reini Müller aus der Gaststube „gehoben“. Und das war verdammt schwer. Nicht nur, dass Reini zwei Meter und nicht gerade leicht war; er hing auch noch am Türgriff fest… trotzdem, er hatte keine Chance.

Voll ist es immer bei Alfred in diesen Tagen. Viele Studenten haben einen ganz bestimmten Kneipentag in der Woche. Sie treffen sich noch in Semesterverbänden. Alle Tische sind besetzt, manchmal sogar im Clubzimmer. Aber da ist man ja nicht mittendrin; lieber steht man dreireihig um die Theke herum, keinen Platz, das Bierglas abzustellen. Zeitweise arbeiten zwei Frauen (Quietschi) zusätzlich mit Alfred und Gertrud hinter der Theke und in der Küche. Dabei dröhnt die Original Wurlitzer Musikbox. Und wenn keiner ´nen Groschen nachwirft, legt Alfred eine seiner legendären Platten auf. Der Plattenspieler mit Plattenwechsler steht in der Küche und es ist meistens Countrymusik, die läuft.

In dieser Küche gibt es auch eine der ersten Mikrowellen – Alfred hatte immer so innovative Sachen von Metro. Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Versuche mit Kartoffeln und Eiern erinnern…

Bei den ganz tollen Sachen, z.B. als eine Kuh aus dem Spülbecken gesoffen haben soll, war ich leider nicht dabei. Aber bei einer sog. Semester-Exkneipe ist unser damaliger Semesterdozent Edzard Gurkasch mit dem Fahrrad ohne Absteigen einmal durch die Kneipe gefahren – vorne rein, hinten raus. Sowas war nur bei Alfred möglich.

Später ging es nach jedem Volkstanz-Übungsabend zu „Schmedske“ und es gab immer Pommes für 10 Mark. Es war Kult, die Pommes frites von großen Tellern mit den Fingern zu essen. Ketchup und Majo (für Andy) inklusive.

Für ihre liebenswerte Betreuung haben Alfred und Gertrud von uns in den 80ern eine Erntekrone bekommen. Ich glaube, sie waren wirklich ein wenig stolz darauf.

Auf dem Saal haben wir auch unser Volkstanzjubiläum gefeiert. Dabei fällt mir unweigerlich wieder eine Geschichte ein: In den 70ern wurden in den Gasthäusern noch diverse Bälle gefeiert. So war bei Schmeds immer Weihnachtsball am zweiten Weihnachtsfeiertag.

Reini und ich sollten im Saal bedienen und bekamen von Gertrud weiße Kellnerjacken verpasst. Wir fühlten uns wie Horst Schinke…

Die Kapelle spielte, aber es kam nur ein Paar zu Besuch. Die Kapelle hat Alfred dann nach Hause geschickt und wir gingen mit diesem Paar in die Gaststube. Irgendwie musste ja der Umsatz stimmen. Manch einer hat den Schluss dieser Aktion nicht mehr erlebt.

Wenn man Alfred übrigens fragen könnte, dann ist eigentlich nie jemand in seiner Kneipe gewesen, denn auf Nachfragen, auch am Telefon, bekam man immer nur die Auskunft: „Den habe ich heute noch nicht gesehen.“

Das trifft nun leider auch auf ihn zu und es ist traurig, dass mit ihm gleichzeitig die jahrhundertealte Gastwirtstradition über 10 Generationen (!) seiner Familie zuende geht. Eine Lücke entsteht, sie wird sich nicht schließen.
Schmetz3Tschüss Alfred, wir sehen uns…

 

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