Mehr als Sport – Jonglieren als Idee

Können wir noch mal kurz auf die Bühne bevor es losgeht? Diese Frage war oft zu hören am Bühneneingang des Illmenau-Theaters an diesem Abend. Über 100 Jongleure bereiteten sich auf ihren Auftritt vor. Für viele war es das erste Mal, dass sie auf der großen Theaterbühne stehen sollten. Da konnte bei dem einen oder anderen auch ein cooles Auftreten nicht über die Anspannung hinwegtäuschen.

Die Sport Jongleure hatten anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens zum fünften Mal ins Illmenau-Theater geladen, um die ganze Spannbreite dieses „etwas anderen Sportvereines“ zu zeigen.

Ab 18:00 Uhr strömten die Zuschauer ins Theater, und die Skepsis einiger Akteure, ob Sport im Theater denn das richtige sei, verflog.

Gleich mit dem ersten Programmpunkt, der Darbietung des Jongliertreffs 60+, zeigten die Sport Jongleure, dass Jonglieren in jedem Alter möglich ist und Spaß macht. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Nach den etwas älteren traten die Fid-Kids mit einem „Best of“ der ehemaligen Kinderturngruppe auf.

Bereits hier zeichnete sich die große Altersspannweite aktiver Jongleure ab. Jongleure von 8 bis 80 Jahren standen an diesem Abend gemeinsam auf der Bühne und begeisterte die Zuschauer. Der Familiensport rundete dann mit einer leicht und spielerisch dargebrachten Ballnummer (in Wirklichkeit waren es kleine Fangsäckchen) das Altersspektrum mit einem guten Mittelfeld ab.

Um Bälle, besser gesagt um sehr große „Bälle“, ging es auch in der folgenden Nummer. Drei junge Akteure wagten sich auf Laufkugeln und meisterten diese Herausforderung mit Eleganz und Können. Schon das Laufen auf diesen großen Kugeln war eine bemerkenswerte Leistung, die mit einer Jonglage auf den Kugeln noch getoppt wurde.

Ein breites Spektrum der Jonglierkunst, bei dem auch Laufkugeln und Stelzen nicht fehlten, zeigten dann die in Gerdau übenden Montagsjongleure und rundeten die Jonglagen mit gekonnt choreographierten und bemerkenswerten Einraddarbietungen auf hohem Niveau ab. Gekonnt integriert in diese Nummer waren auch Jonglagen auf dem Waveboard, einem Sportgerät, dass auf der Theaterbühne wohl nicht oft zu sehen ist, sich aber gerade bei jungen Leuten hoher Beliebtheit erfreut.

Nicht nur die normalen Einräder sondern auch Hochräder waren Thema der Gruppe Unicycles, die anschließend zeigten, was auf diesen doch sehr minimalistischen Rädern, die bei uns im Landkreis inzwischen gar nicht mehr so selten sind, alles möglich ist.

Dass bei den Sportjongleuren nicht nur jongliert wird, demonstrierten im Anschluss an die Hoch- und Einräder in beeindruckender Weise die Fitness Frauen mit ihrer Darbietung.
Bei den Wellenbrett-Künstlern drehte sich alles um Wavebords. Junge Leute animierten Ältere, es doch auch einmal zu versuchen, und am Ende drehten auch diese begeistert auf den Boards ihre Runden. Jung und Alt zusammen, dieses Motto zog sich durch viele Nummern an diesem Abend.

Eine rasante Diabolo-Nummer, bei der auch mit leuchtenden Diabolos auf tiefdunkler Bühne gearbeitet wurde, begeisterte anschließend die Zuschauer.

Für die folgende Darbietung musste erst ein passender Begriff kreiert werden. Als Jongbatik wurde eine gelungene Kombination aus Jonglage und Akrobatik gezeigt. Wie auch beim Juggling (jonglierend laufen) werden hier Elemente der Jonglage mit anderen Sportarten kombiniert.

Den Abschluss der ersten Hälfte dieser faszinierenden Veranstaltung machte der japanische Jongleur Junya Inoue mit einer bezaubernden Jonglage mit einem Hut und Bällen. Leicht und spielerisch kombinierte er Hut und Bälle in immer neuen Variationen auf geradezu verblüffende Art und Weise und zog noch einmal alle Zuschauer in seinen Bann.
Die zweite Hälfte dieses Theaterabends der Sport Jongleure begann auf einer völlig dunklen Bühne, auf der in einer spannenden Choreographie strahlend leuchtende Keulen, Bälle und Ringe zu immer neuen bewegten Bildern kombiniert und jongliert wurden. Diese beeindruckende Leuchtshow war sicherlich einer der Höhepunkte dieses Abends.

Die folgende „Evolution of passing“, eine Passing-Nummer, bei der die Bälle zwischen zwei Jongleuren hin und her fliegen, begann mit einem Ball und steigerte sich immer mehr, bis am Ende 10 Bälle gleichzeitig zwischen den beiden Akteuren hin und her flogen.

Auch in der zweiten Halbzeit dieses Abends gab es natürlich wieder Einräder auf der Bühne des Illmenau-Theaters. „Dreamworld“ nannten die jungen Damen Ihre Nummer, bei der sie sich virtuos zu immer wieder neuen Figuren zusammenfanden, und zeigten, was auch ohne Lenker auf nur einem Rad alles möglich ist.

Einen ganzen Jonglierzirkus brachte dann die größte Übungsgruppe der Sport Jongleure, die „Samstagsjongleure“, auf die Bühne. Über 30 Jongleure zeigten einen gelungenen Querschnitt ihres Könnens, der vom Publikum mit starkem Applaus honoriert wurde.

Während an einem Einrad nicht viel dran ist (halt nur ein Rad, Pedale und Sattel) gibt es bei den „Ultimate Wheels“ nicht einmal mehr einen Sattel.
Auf einem Rad nur mit Pedalen wagten sich zwei junge Damen auf die Bühne und nannten ihre Nummer ganz passend „Einräder für Arme“.

Mit „Starlight Express“ brachten die „Freitagsjongleure“ einen Auszug eines für Jongleure adaptierten Musicals auf die Bühne. Jonglagen auf Inlinern gab es bei den Jongleuren bisher nicht. Auch dies war eine Premiere auf diesem Theaterabend.

Nebel zog über die Bühne, als beim „Schatz von Jonglaria“ zwei Piraten in Anlehnung an den Schatz der Karibik in einer rasanten temporeichen Nummer die Messer kreuzten und dann mit diesen natürlich gekonnt und sicher jonglierten.

Zum Abschluss dieses Abends kamen noch einmal alle Akteure auf die Bühne. Über 100 Jongleure begeisterten ihre fast 500 Zuschauer mit dem größten Jonglierauftritt den Niedersachsen in diesem Jahr gesehen hat. Auch dies natürlich nicht ohne eine ganz besondere Draufgabe. Zum ersten Mal bei den Sport Jongleuren konnten die staunenden Zuschauer eine Jonglage mit 5 Keulen und 6 Bällen sehen. Eine wirklich zirkusreife Darbietung der Spitzenjongleure dieses Vereines.

Jonglage2

Nicht nur ein spannendes und unterhaltsames Programm boten die Sport Jongleure ihrem Publikum an diesem Abend. Wie ein roter Faden zog sich die Überzeugung aller Akteure durch dieses zweistündige Programm, das Jonglieren mehr ist als ein Sport. Es ist die Idee, dass junge und alte, Männer, Frauen und Kinder, Anfänger und Spitzenjongleure gemeinsam trainieren und auch auftreten und ihr Können präsentieren. Nicht Konkurrenz untereinander sondern Achtung und Anerkennung dessen, was jeder einzelne gerade beherrscht. Dieses verbindende Band durch die Generationen betonte auch Wilhelm Johannes, Gründer und Vorsitzender dieses „etwas anderen Sportvereines“ bei seinem Schlusswort. Was die verschiedenen Trainingsgruppen, ohne vorher einmal gemeinsam üben zu können, an diesem Abend gemeinsam präsentierten, war mehr als sehenswert. Übrigens, die junge Moderatorin, die charmant durch diesen Abend führte, war gerade 1 Jahr älter als dieser Sportverein, dem sie seit seiner Gründung angehört und sich dort schon viele Jahre engagiert hat.

Heinz Grobecker

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