LBU-Kritik: Grobe Planungsfehler bei Neubautrassen durch die Heide



Der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen (LBU) begrüßt es, dass beim 3. Treffen des „Dialogforums Schiene Nord“ zur Lösung künftiger Verkehrsprobleme im Hinterland der Seehäfen endlich überprüfbare Fakten vorgetragen wurden. Langfrist-Prognosen über Wirtschafts- und Verkehrsentwicklungen bis 2030 konnten von Bürgerinitiativen, Landkreisen, Kommunen und Verbänden nun endlich auf die zugrunde gelegten Annahmen hin abgeklopft werden.

Etliche Annahmen zu künftigen Hinterland-Verkehren der Häfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven stießen dabei ebenso auf Kritik wie die fehlende Berücksichtigung von Ausbau-und Alternativ-Lösungen. „Es ist kaum zu glauben“, so LBU-Vertreter Eckehard Niemann, „dass die von der Deutschen Bahn längst geplante Verlagerung von Nord-Süd-Verkehren von den überlasteten, bisherigen Nord-Süd-Verbindungen (Hannover–Fulda–Bayern) auf einen parallelen „Ostkorridor“ (Stendal–Hof–Regensburg) nicht berücksichtigt wird.“ Ebenso unfassbar sei, dass die Verkehrsplaner die bereits jetzt bestehenden Bahnknoten-Engpässe Hannover, Bremen und Hamburg bei ihren Streckenplanungen bisher völlig außer Acht gelassen hätten. Laut LBU können die Verkehrssteigerungen ohne Neubautrassen bewältigt werden – durch eine vernetzte Ausbau-Optimierung bestehender Schienenwege mit Anwohnerschutz. Dies werde bei der anstehenden Festlegung von Entscheidungskriterien im Dialogforum deutlich werden.

An den vorgestellten Prognosen gab es im Dialogforum deutliche Kritik: Namen und Auswahlgründe für die von den Planern befragten Experten und Verbände blieben unbekannt. Die Vertiefungen von Elbe und Weser oder die Belt-Querung habe man – trotz offener Verwaltungsprozesse – als realisiert unterstellt. Der Ausbau konkurrierender Nordseehäfen (Rotterdam) sei unzureichend berücksichtigt. Die Verkehrsentwicklungen jedes einzelnen Hafens (Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven) habe man hinsichtlich der Art und der jeweiligen Zielorte angelandeter Güter bislang nicht dargestellt.

Forums-Teilnehmer kritisierten zudem fehlerhafte Nutzen-Kosten-Berechnungen zugunsten von Neubaustrecken und zu Lasten von Ausbau-Varianten: Der Nutzen von Personennahverkehren sei nicht eingerechnet. Wenn man die Nord-Südverkehre weiter durch die alte Nord-Süd-Verbindung zwängen wolle, müsse man zwangsläufig eine Umfahrung des Bahnhofs Hannover bauen – die damit verbundenen Probleme und Kosten müssten endlich möglichen Neubautrassen angelastet werden. Der Nutzen der Hochgeschwindigkeit auf Neubaustrecken sei überbewertet, der für große Bahnkunden vorrangige Nutzen der Pünktlichkeit von Schienengüterverkehren unterbewertet. Einzurechnen sei auch der Nutzen, dass man fertiggestellte Teilstrecken bei einem Ausbau bestehender Trassen vorzeitig und zeitnah nutzen könne. Auch die mögliche Abkoppelung von Lüneburg und Uelzen vom schnellen Personenfernverkehr nach einem Bau von ICE- und IC-Neubautrassen bleibe unberücksichtigt.

Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V.
Eckehard Niemann

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