„ISO-Radweg“ falsch bewertet

Darstellung des heutigen Sachstandes zu einem Radweg von der B4 nach Stadensen

Schwerer LKW-Unfall auf der B4 zwischen Suderburger Kreisel und Holdenstedt am 5. August. Folge: Totalsperrung von 15:30 Uhr bis 19:40 Uhr. Es gibt eine offizielle Umleitung, aber der Verkehr sucht sich seinen – kürzeren – Weg, über Borne – Wrestedt – Stadensen zum Kreisel.

An diesem schönen Sommertag gegen Abend fahren die Suderburger Jugendlichen vom Sommerbad mit dem Fahrrad nach Hause. Sie müssen sich die Kreisstraße 14 mit dem Umleitungsverkehr – Erntemaschinen sind auch noch unterwegs – teilen, einen Radweg haben sie nicht. Und sie werden wohl noch einige Zeit darauf warten müssen. Denn der Bau eines 3,1 km langen Radweges entlang der K 14 von Stadensen zur B 4 steht auf der Prioritätenliste des Radwegekonzeptes des Landkreises Uelzen vom 28.5.2019 erst an 11. Stelle, noch hinter einer „neu zu bauenden Radverkehrsanlage“ an der K 37 von R ä b e r (ein Schelm, wer Böses dabei denkt) nach Suderburg auf Platz 7.

Blick zurück in die Radwegebaugeschichte an Kreisstraßen im Kreis Uelzen:

Jahrelang gab es im Kreistag immer dann Kontroversen im Stile lupenreiner Kirchturmpolitik, wenn es darum ging, an welcher Kreisstraße der nächste Radweg gebaut werden sollte. Aus dieser unbefriedigenden Situation entstand der Wunsch nach mehr Objektivität durch Entwicklung eines regionalen Radwegekonzeptes, veranlaßt durch einen Antrag des Kreistagsabgeordneten Andreas Dobslaw, Leiter des Sachgebietes Verkehr bei der Polizeiinspektion LG DAN UE für eine Radwegebaubedarfsanalyse.

Ergebnis: der Ausschuss für Planung, Hoch- und Straßenbau beim Landkreis beschließt am 28.5.2019 eine vom Planungsbüro PGV Dargel Hildebrandt GbR, Hannover, entwickelte Prioritätenliste, Stand 1.8.2019. Dazu wurden 11 objektive Kriterien an jede einzuordnende Kreisstraße angelegt und bepunktet, z.B. Länge der Netzlücke, Kfz-Geschwindigkeit, Schulroute, Verkehrsbelastung, Anteil des Schwerverkehrs, Unfälle und mehr. Das Kriterium „Umleitungsstrecke“, um das der Kriterienkatalog hätte erweitert werden müssen, fehlt.

Eine folgenschwere Verfälschung der Gewichtung unseres ISO-Radweges bei seiner Priorisierung und auch anderer geplanter Radwege an Kreisstraßen mit erhöhter Umleitungsbelastung (im Einzelnen nicht bekannt). Obwohl bereits in der Ausschusssitzung von Abgeordneten manche Ergebnisse der Liste mit Überraschung aufgenommen wurden und auch teilweise die Methodik des Gutachtens hinterfragt wurde, so besteht doch wenig Hoffnung, dass sich über kurz oder lang die Einschätzung des Landkreises ändert: die Verwaltung in Person des ltd. Baudirektors Linke sieht ohnehin keine Fehler und keinen Anlass, die Liste infrage zu stellen, und manche sind froh, wenn sie um das unerfreuliche Thema der Reihenfolge mit viel Diskussionen durch einen Verweis auf die Liste einen Bogen machen können. Das aber ist aus meiner Sicht keine verantwortungsvolle Politik für die Bürger.

Götz Schimmack

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1 Kommentar

  1. Götz Schimmack Antworten

    Vergangenes Wochenende (14.08.2021) berichtete die Tageszeitung über die problematischen Verkehrsverhältnisse im Abschnitt der B4 südlich von Uelzen. Schwere Unfälle, auch schon in den vergangenen Jahren, und eine „auffällige Häufung von Auffahr- und Überholunfällen, insbesondere im Nahbereich des Suderburger Kreisverkehrs“, veranlassen die Polizei zu Überlegungen, mit welchen notwendigen Maßnahmen der Verkehr dort entschärft werden könnte ( Tempolimits, Überholverbote, tlw. nur für Lkws ).
    Unfälle mit Vollsperrung der B4 wirken sich zwangsläufig auf das Straßennetz im Nahbereich aus. Das bedeutet, dass das Kriterium „Umleitungsstrecke“ oder
    „Ausweichstrecke“ bei der Priorisierung im Radwegebau zu berücksichtigen ist, wie
    gerade der vorliegende Fall deutlich belegt.

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