Haben wir wirklich nichts Besseres zu tun?



Redakteu50pxDie Kolumne „Snack mol wedder Platt„ aus der letzten Ausgabe sorgt derzeit für einen Aufreger.

Wilhelm Feuerhake, Plattdeutschbeauftragter im Landkreis, hat sich einen „Schuh angezogen„, der nicht seiner ist und der nicht passen will „Bün mitverantwortlich för de Plattdütschkurs an de KVHS un treck mik de Anschuldigungen an…

Welche Anschuldigungen meint er denn? Es gab nichts Anschuldigendes, Snack-mol-wedder-platt-Autor Niels Tümmler hatte zufällig ein Fauxpas der Kreisvolkshochschule in ihrer Katalogüberschrift entdeckt und in seiner Kolumne sein Erschrecken und mögliche Assoziationen darüber geäußert. Er hat darum gebeten diese Überschrift zu ändern. Kein Satz zu Inhalten, Texten oder Dozenten der Kurse. Nur eine Katalogüberschrift – nicht mehr und nicht weniger. Darüber, wer den „Bock geschossen„ hat, wer das verantwortet und wer das hoffentlich ändert, kein Wort.
Alles, was darüber hinaus hineingedacht und/oder theamatisiert wird, ist Kopfkino bei denen, die das tun.

Weil ihn sein imaginärer Schuh trotzdem drückt, stellt Wilhelm Feuerhake schriftlich Ultimaten, verlangt mündlich Aufklärung und Entschuldigungen und droht schriftlich und mündlich mit Rücktritt von seinen Ehrenämtern „bevör ik in dan brunen Sump trocken werd`t, stell ik all mien plattdütschen Arbeiten bet to ein Klärung in„ und „Beton öwer ganz energisch, dat düt in dat Wohlkampfgezeter nix toi söken hät!„
Niemand hat ihn auch nur erwähnt oder in irgendeiner Weise zum braunen Sumpf gezählt, nirgendwo taucht auch nur andeutungsweise Wahlkampf auf.

Trotzdem will er DIE ZEITUNG für seine Konsequenzen auf ein Nichts, Niemand und Nirgendwo in die Verantwortung nehmen „…wenn nich, sünd jie mik los!„ und diese Vorgehensweise von Wilhelm Feuerhake ist nicht in Ordnung.
Er zieht sich einen fremden Schuh an und möchte darüber reden, was ihn drückt. Bis dahin ok, das kann er machen, aber es liegt ausschließlich in seiner Verantwortung. Doch dann wird’s „schräg„: er verteilt seinen Brief, über „dan Artikel un mien Person„ und der Aufforderung zu „een grode Utsprok„ (die Klarheit bringen bzw. eine Richtigstellung und Entschuldigung zur Folge haben soll) und der Drohung „wenn nich, sünd jie mik los„ an alle Fraktionsvorsitzenden der Samtgemeinde – die das an alle Ratsmitglieder verteilen, beide Bürgermeister, den Landrat, den Landschaftsverband Lüneburg, die Kreisvolkshochschule, den Vorstand der Plattsnacker und die Allgemeine Zeitung. Gleichzeitig versichert er dem Suderburger Bürgermeister, dass er nicht möchte, dass die Sache in der AZ breitgetreten wird…

Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz steigt mit seinem Kommentar zum Artikel nun für Feuerhake „in die Bütt„, bescheinigt ihm, ein lupenreiner, überzeugter Demokrat zu sein, der Recht und Ordnung verteidigt und Unrecht ablehnt. Er hebt dessen langjährige Ehrenamtlichkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr und bei den Plattsnackern hervor und fordert DIE ZEITUNG auf, sich mit Wilhelm Feuerhake in Verbindung zu setzen, um die Angelegenheit zu bereinigen.

Was hat der Einsatz von Feuerhake für die Freiwillige Feuerwehr mit der Sache zu tun? Wird man damit automatisch gleich ein besserer, fehlerfreier Mensch? Soll es uns das sagen, oder hat man damit einen (moralischen) Kredit? Wer bestreitet denn (auch nur ansatzweise) das demokratische Denken Feuerhakes oder beschuldigt ihn eines Unrechts oder einer falschen Haltung? Wieso wird das alles jetzt hier zum Thema gemacht?

Jeder Normaldenkende schätzt die ehrenamtlichen Tätigkeiten von Wilhelm Feuerhake, auch DIE ZEITUNG und ihre Beteiligten. Der Einsatz für das Plattdeutsche – gerade auch an Schulen und mit jungen Leuten – ist vorbildlich – dafür uneingeschränkt einen festen Händedruck.
Aber unser Thema war und ist nicht Herr Feuerhake, sondern eine „schräge„ Überschrift der KVHS. „Deutsch für Deutsche„ geht für einen Bildungsträger wie die Kreisvolkshochschule garnicht. Das grenzt aus und befördert falsche Assoziationen – und in welche Richtung die gehen, ist doch naheliegend. Ausschließlich darauf hat Niels Tümmler hingewiesen.
Uns und unserer Gesellschaft wird seit Jahrzehnten der Rückspiegel vorgehalten und richtigerweise eingetrichtert: seid wachsam, wehret den Anfängen und achtet auf eure Worte. Daraus ist eine stabile Demokratie gewachsen, um die uns viele beneiden. Auf die müssen wir aufpassen, die müssen wir schützen, auch im unmittelbaren Umfeld. Und insofern, oder gerade deshalb, ist Tümmlers provokante Frage an die KVHS erlaubt: „Ist da nun eine politische Gesinnung zu vermuten, oder ist es für Leute, die keine deutschen Wurzeln haben, nicht erlaubt, Plattdeutsch zu reden!? Was soll mir und anderen Leuten das sagen!??

Die Leiterin der KVHS, Almke Matzker-Steiner, die in einem Telefonat diesen „unbeabsichtigten Mißgriff„ noch sehr bedauerte und eine Änderung der Überschrift ankündigte, geht nun schriftlich zum Angriff über: „Einmal abgesehen davon, dass es sich dabei um eine abwegige Fragestellung handelt, denn Volkshochschulkurse sind per Gesetz für alle Menschen offen, sind wir durchaus bereit, Formulierungen zu überdenken und ggf. zu verändern.
Liebe Frau Matzker-Steiner, eine ganz zynische Antwort darauf wäre: der deutsche Verfassungsschutz ist auch per Gesetz dazu vorgesehen, die freiheitlich demokratische Grundordnung zu schützen und kommt trotzdem seit Monaten im Zusammenhang mit rechten Gewalttätern nicht aus den Schlagzeilen. Das Gesetz alleine machts also anscheinend noch nicht. Und: In den Ermittlungsverfahren wurden den betroffenen Beamten sicher auch, nach ihrer (deren) Meinung, völlig abwegige Fragen gestellt… waren die deshalb falsch?
Aber hier, und das betone ich ausdrücklich, sollen natürlich in keiner Weise Parallelen gezogen werden. Es ist nur sehr schwach, sich auf ein Gesetz zurückzuziehen nach dem Motto: wir können garnicht den Fehler machen, und mit einer Überschrift jemanden ausgrenzen, weil wir ja per Gesetz für alle Menschen offen sind….

Und auch wenn laut Matzker-Steiner „Überschriften wie die o.g. der besseren Orientierung dienen und erfahrungsgemäß auch als solche wahrgenommen werden„, müssen/dürfen diese nicht grenzwertig daherkommen. Da ist der KVHS deutlich mehr Kreativität zuzutrauen.
Und weiter: „Dahinter eine „politische Gesinnung“ zu vermuten, die Erinnerungen an den Nationalsozialismus aufkommen lasse, ist schlicht und ergreifend geschmacklos und bringt die Arbeit der Volkshochschule in Misskredit„. Die Vermutung wurde so nicht geäußert. Der Autor hat vielmehr die Frage gestellt, was man dabei vermuten soll und was man sich dabei gedacht hat. Die Geschmacklosigkeit (wenn man sie als solche bezeichnen möchte) liegt hier doch eindeutig bei der KVHS…

Der Aufforderung von Almke Matzker-Steiner, uns nun aktiv für eine Richtigstellung einzusetzen, können wir leider nicht nachkommen. Da hier objektiv nichts falsch gemacht wurde, können wir auch nichts richtigstellen. Aber um es hier noch einmal deutlich klarzustellen: Weder Niels Tümmler noch DIE ZEITUNG hat der KVHS „braune„ Tendenzen unterstellt oder eine tendenzielle Absicht bei der Wahl der Überschrift. Die Arbeit der KVHS und ihrer Mitarbeiter/innen ist ehren- und anerkenneswert. Wenn sie einfach dabei bleiben würde, dass es einen unbeabsichtigten Mißgriff in der Überschrift gegeben hat, der in der nächsten Ausgabe korrigiert wird, würde sie auch Größe zeigen.
Das gilt übrigens auch für den Plattdeutschdozenten.

Und deshalb, sehr geehrter Herr Schulz, können wir Ihnen diesen Gefallen – so – leider nicht tun. Es gibt nichts zu bereinigen, wir haben nichts schmutzig gemacht.
Das Ultimatum von Herrn Feuerhake am 9. Januar wird verstreichen. Wenn er daraus die falschen Schlüsse zieht, täte uns das sehr leid, aber Demokratie ist nicht erpressbar – das müßte er eigentlich schätzen.
Wenn nur 10% der Leser/innen der ZEITUNG sich zu einem Thema „einen Schuh anziehen„ und daraus dann das Recht zu einem persönlichen Treffen ableiten, hätte der Autor noch maximal Zeit für vier Stunden Schlaf täglich – so funktioniert das nicht.

Aber vielleicht haben die Plattsnacker mal Lust, in der nächsten Zeit einen Abend zum Thema „Gelebte Demokratie„ (o.ä.) zu machen. Dabei könnte man auch dieses Thema ausführlich diskutieren und wir würden uns über eine Einladung sehr freuen und gerne kommen und darüber berichten – auf Platt- und auf Hochdeutsch.

Im Plattdeutschen kann man wunderbar, direkt und ruhig auch mal deftig, Dinge auf den Punkt bringen. Humor und Hintersinnigkeit sind bei allem Ernst irgendwie immer dabei – man denke nur mal an „Günther den Treckerfahrer„ vom NDR, der mit seinen Attacken und Ein- und Ausfällen inzwischen Kultstatus hat. DIE ZEITUNG macht mit der Kolumne „Snack mol wedder platt„ auch im Sinne Wilhelm Feuerhakes alles richtig. Dieser hat seinem Schreiben einen Auszug der „Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen„ angehängt. Danach handelt DIE ZEITUNG vorbildlich, denn sie bietet der Minderheitensprache „Plattdeutsch„ nicht nur einen Platz, sondern auch redaktionelle Freiheit.

An der umstrittenen Kolumne kann übrigens auch Wilhelm Johannes nichts Verwerfliches finden. Der Kulturpreisträger in Sachen Plattdeutsch, aus Dreilingen, findet sie ganz ausgezeichnet: „Es ist doch toll, dass damit die plattdeutsche Sprache unterstützt wird und es ist richtig, auch mal solche Dinge aufzugreifen und ganz unhysterisch ein waches Auge zu haben„.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Für alle, für die Plattdeutsch eine „Fremdsprache„ ist, oder die, die den Plattdeutschen Text nicht richtig lesen können,
hier eine Übersetzung des umstrittenen Absatzes aus der Kolumne „Snack mol wedder Platt„, DIE ZEITUNG Nr. 211, vom 20. Dezember 2012.

„Deutsch für Deutsche!?

Moin liebe Leute, nun geht das Jahr… usw…
… . Das hilft auch noch gegen das dick und rund werden.

So, nun noch die Aufklärung für die Überschrift:
Vor einigen Tagen blätterte ich mal im Katalog der Volkshochschule und, das liegt ja nah, ich wollte doch mal sehen, was denn so an plattdeutschen Sachen angeboten wird – was habe ich mich da erschrocken! Die Rubrik, unter der die plattdeutschen Kurse stehen, heißt: „Deutsch für Deutsche„.
Ist da nun eine politische Gesinnung zu vermuten, oder ist es für Leute, die keine deutschen Wurzeln haben, nicht erlaubt, Plattdeutsch zu reden!? Was soll mir und anderen Leuten das sagen!??
Ich kann die Verantwortlichen für die neue Auflage nur bitten, sich etwas anderes auszudenken. So hat das was, was mich an ein großes Reich erinnert, das 1000 Jahre halten sollte, aber nach einem dutzend glücklicherweise wieder vorbei war. Aber von diesen Schmalzköpfen (Unverbesserlichen – Anmerkung der Redaktion) soll es ja immer noch einen Haufen geben…

Nun, liebe Leute, lasst Euch nicht ärgern – ich wünsche Euch allen eine schöne und besinnliche Zeit und einen guten Rutsch in das nächste Jahr!
Bis dann!„

 

DIE ZEITUNG ist gelebte Demokratie nach Artikel 5  „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.„ und bietet sich dazu als Plattform für jeden aus der Region an, dieses Recht selbst wahrzunehmen. Mehr geht nicht, oder?

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1 Kommentar

Willem du must wiede moken, du mogst dat gaut und sün poor klaukschieters gift dann jümmer und öveall. Prost Neujohr Willem.

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Niels Tümmler (NT)

Leeve Lüüd,

ik bün jo ok ünnerwegens, üm de Lüüd mit miene Lesens to ünnerhooln. Hebbt jii Spoß doran und wüllt mi mol "live" bi juu hebben!?

Denn schrivvt mi man an. Een Dag, wo dat passen deit, ward sik finnen.
Stüer een Breef mit juune Anfroog an niels.tuemmler@t-online.de.

Ik mell mi denn Trüch. Kann af und an mol´n beeten duern, avers ik versöök dat jümmer fix to antern! Niels

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