Das ist „Kalter Krieg“



Dass mir in meinem Leben so etwas noch ein zweites Mal passieren könnte, wenn auch, wie jetzt, auf sehr viel niedrigerem Level, hatte ich mir nicht träumen lassen. Anfangen tat das übrigens in Deutschland, auch wenn ich da noch nicht geboren wer, mit „Juden raus!„.
1981 erhielt ich seitens der Staatsorgane der ehemaligen DDR lebenslan­ges Einreise- und Aufenthaltsverbot. Ohne Begründung. „Sie nicht„, hieß es an den Passierscheinstellen der Staatsgrenze, wenn ich einreisen woll­te. Würde die DDR noch existieren, d. h., hätte sich die BRD die DDR 1989/90 nicht einverleibt, würden diese Verbote für mich vermutlich noch heute gelten. Zumal ich „Wiederholungstäter„ gewesen war, wenn ich, ähn­lich wie Robert Havemann und Rudolf Bahro auf Kongressen, Symposien, auf Arbeiterjugendfestspielen usw. bestimmte negative Erscheinungen in der DDR und den RGW-Staaten von links offen problematisiert und kritisiert hatte. So was gehörte sich nicht im Arbeiter- und Bauernstaat.
Und jetzt? Jetzt in 2013 am 18. 1., wiederfuhr mir prinzipiell das Glei­che. Michael Luther vom „Carpe Diem„ sprach gegen mich ein Hausverbot aus. Ebenfalls ohne Begründung. Ob auch das lebenslänglich gelten soll, hat er offen gelassen. Wie es zu dieser Provinzposse kam?
Hintergrund war, dass ich ihm, vor einem halben Jahr bereits, selbstver­ständlich nicht wortwörtlich, sondern im übertragenen Sinne und zudem noch ironisch-sarkastisch, „in die Suppe gespuckt„ hatte. Und das kam so zustande:
Am 5. 7. 2012 fand eine Samtgemeinderatssitzung in Hösseringen statt. Die SPD hatte einen Antrag eingebracht, dem sich die Grünen anschlossen, eine Resolution zu beschließen, wonach industrielle Hähnchenmastanlagen und Qualzucht in der sonstigen Massentierhaltung politisch geächtet werden sollten. Als es nach kurzer Debatte zum Schwur kam, stimmten sowohl MdL Jörg Hillmer, als such sämtliche sonstigen CDU- sowie auch zwei der drei WSL-Ratsherren gegen den Antrag. In einem Leserbrief in unserer Samt­gemeindezeitung nahm ich daraufhin dieses kalkulierte oder gedankenlose Votum der beiden WSL-Ratsherren, die von Beruf Gastronomen sind, „auf die Schippe„, indem ich schrieb, den Gästen von Reinhard Lehrmanns und Michael Luthers Restaurants wolle man vermutlich nicht die Chance verbauen, zu­künftig aus ihren Gourmetküchen antibiotikaverfeinertes Hähnchenbrust­fleisch serviert zu bekommen. Das war, zugegeben, schwarzer Humor. Der ist nicht nur in England erlaubt. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Der Herrn Luther jedoch offensichtlich vergangen war, als er das las. Zwar hat er mir nicht bereits damals, quasi inflagranti, ein Hausverbot er­teilt. Ein Anruf oder ein kurzer Brief dafür hätte ausgereicht. Nein, nachtragend dünnhäutig ist Herr Luther also euch, hat sich das Hausverbot für den 18. 1. 2013 aufgespart, wo in seinem Hause eine öffentliche Veranstaltung von den Grünen mit dem Promi Trittin stattfand. So was liefert denn auch eher Schlagzeilen als ein Hausverbot im Verborgenen.
Was Herr Luther bei seinem Coup allerdings nicht bedacht hat, ist, dass er nicht nur sich selbst, sondern auch den Grünen schadet. Die hatten bislang schon häufiger mit Verzehr im „Carpe Diem„ getagt und woll(t)en das eigentlich auch in diesem und im nächsten Jahr. Wenn das Haus­verbot gegen mich nicht aufgehoben werden sollte, wird für die Grünen zukünftig wohl nichts mehr aus Luthers (un-)gastlichem Haus. Denn außer bei Neonazis und Rechtsradikalen kennen die Grünen keinen Gäste-Ausschluß. Dann wird in Suderburg eben woanders getagt. Aber vielleicht bietet sich als weitere .Alternative für Borvin Wulf ja „Freies Geleit„ für die Dauer von Grünen-Veranstaltungen im „Carpe Diem„ an? Jedenfalls kann man -ge­spannt sein, was noch kommt, und ob sich auch Suderburgs SPD zu diesem Skandal mal öffentlich äußert und sich solidarisch zeigt. Immerhin war sie mit ihrem von mir und den Grünen unterstützten Antrag vom 5.7.2012 gegen Tassentierhaltung ja Ausgangspunkt, der den Stein überhaupt erst ins Rollen brachte.
Borvin Wulf

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