Schulmeisters Wirrungen und Politik in der Schmollecke…

Seitdem es das Bürgerbegehren um die alte Schule in Suderburg gibt, wird kräftig ausgeteilt. Die jüngsten Leserbriefe in der AZ machen deutlich, dass ein Großteile der Politik in der Schmollecke sitzt und in seltener Eintracht die Verantwortung für ein mittleres Desaster von sich schieben möchte:
Die Schaffung der Krippenplätzen zum 1. August 2021 ist nicht mehr realisierbar. Schuld soll das Bürgerbegehren sein.

Dabei steht das Thema seit gut zwei Jahren auf der politischen Agenda und wurde trotz vieler Sitzungen und einem Jahr Verschub nach hinten letztlich gnadenlos „vergeigt“. Und sogar daraus versucht man nun dem Bürgerbegehren einen Strick zu drehen: Man hätte sich früher äußern müssen – spätestens seit im Sommer auf den Abriss umgeschwenkt worden war.

Dabei werden gerne zwei wesentliche Faktoren unterschlagen: Dass die vielen Sitzungen und mit ihnen auch der Schwenk auf Abriss im Verwaltungsausschuss, interfraktionell oder in geschlossener Arbeitsgruppe stattfanden – also nicht öffentlich.
Und dass es einen gültigen, einstimmigen Ratssbeschluss seit Oktober 2018 gab, der Sanierung, Um- und Ausbau der alten Schule für die Krippengruppe vorsah.

Wenn man einem Ratsbeschluss nicht glauben kann, wem dann??

Eine weitere Unterstellung, die sich gegen das Bürgerbegehren richtet, nutzte der Ex-„Schulmeister“ Burkhard Drögemüller (SPD) in seinem Leserbrief, um das Gebäude in ein schlechtes Licht zu stellen. Hätte er richtig gelesen, dann wäre ihm sein Mumpitz aufgefallen: Das Ziel des Bürgerbegehrens ist der Erhalt des Gebäudes der alten Schule – nicht aber, dass die Krippengruppe dort einziehen muss.
Wenn Drögemüller also unterstellt, „Dieses Gebäude soll nach den Worten der Initiatoren als Gebäude für die Krippe genutzt werden“, ist das eine glatte Fehlinformation und Lüge.

Danach holt er 30 Jahre aus, um noch mehr schlechte Luft zu verbreiten. Keine Fakten, kein Wort über die Nutzung des Gebäudes in dieser Zeit, kein Wort über Leerstand, fehlendes Heizen und Lüften.

Schließlich muss bei ihm auch noch der Umweltschutz für den Abriss herhalten: Das alte Gebäude wird mit einer völlig verdrehten Darstellung der CO2-Bilanz kurzerhand als gefährlich für den Klimaschutz erklärt.

Das Beispiel einer gelungenen Sanierung im Ort

1994 ging es in Suderburg um den Abriss des alten Pfarrhaus. Darin stank es nun wirklich gewaltig. Das Haus hatte nach dem Auszug der Pastorenfamilie als Flüchtlingsunterkunft gedient und war dem Verfall preisgegeben. Es war verwohnt, in den Räumen stapelte sich Dreck jeglicher Art, im ehemaligen Stalltrakt vergammelten Berge von Kleidung aus Altkleidercontainern. Irgendwann beschloss der Kirchenvorstand den Abriss, um einen Bungalow dafür hinzustellen.

Daraufhin regte sich Widerstand im Dorf, der zu einer monatelangen heftigen Auseinandersetzung anschwoll. Erst nach der Rücknahme des Abrissbeschlusses kehrte wieder Friede ein. Mit der anschließenden Kernsanierung verschwanden all die stinkenden Dinge und verrottenden Baustoffe. Das Haus bekam ein neues Innenleben und steht bis heute prächtig und wohlriechend da.

Deutschlandweit gibt es tausende Beispiele für solch gelungene, gesunde Sanierungen und neue Nutzungen von alten Gebäuden. Und jeder, der das bestreitet, macht sich lächerlich.

Nachsatz: Ich lernte das Gebäude der alten Schule so richtig erst ein paar Jahre später kennen (nach 1994). Da wurde es tagtäglich von den Vorschulgruppen genutzt, die drei meiner Töchter nacheinander besuchten. In diesen Jahren roch es dort wohl auch mal ungelüftet, aber meistens nur nach Schule und Kindern: Buntstifte, Tusche, Klebstoff, Papier und Apfelfrühstück…

Andreas Paschko

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1 Kommentar

  1. Gode von Korff Antworten

    Es gibt zunehmend mehr Unterstützung für den Erhalt dieses Schmuckstücks, was mich persönlich sehr freut. Herr Drögemüller hatte leider gar nicht verstanden, worum es geht. Ich kann mir auch nicht vorstellen dass sich damals die Kinder in Räumen, die von Schimmel befallen waren, aufhalten durften. Diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage und trifft den Nerv der Zuständigen, die so etwas nie geduldet hätten, aufgrund der Vorschriften.
    Das Begleitschreiben des Bürgerbegehrens stellt den Sachverhalt noch einmal für jeden verständlich dar!
    Und das Pastorenhaus ist ein gelungenes Beispiel – wie Werte und Zeitzeugnisse erhalten bleiben können !!! Die zahlreichen Unterschriften sind eine große Unterstützung – vielen Dank!!!

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