Bauernrechnungen: Alles wird gut



In jedem Jahr im Januar strömen die Menschen in den Dörfern der Gemeinde Suderburg zu den Bauernrechnungen. Gute zwei Stunden gibt‘s was auf die Ohren: Daten, Zahlen, Fakten…Was war so los im letzten Jahr, was passiert in diesem… Sind wir jetzt schon pleite oder kriegen wir nochmal die Kurve…

Die Veranstaltungen leiteten Gemeindebürgermeister Hans-Hermann Hoff und die Ortssprecher. Den Part der Samtgemeinde trug, erstmalig nach seiner Wahl zum Samtgemeindebürgermeister (SGB), Thomas Schulz vor.  Vielleicht war das der Grund dafür, dass die Veranstaltungen alle sehr gut besucht waren. Viele wollten vielleicht mal sehen „wie er sich so macht“.

Um das vorweg zu nehmen: gut hat er es gemacht. Wohltuend unaufgeregt, sachlich und verbindlich im Ton.
Auch wenn der „alte“ Schulz irgendwie immer noch mit auf den Sälen war, weil viele der Zahlen er geschrieben, zu verantworten oder sich verdient hat, der neue Schulz ist jetzt der richtige Schulz – es kann nur einen geben…

Einwohnerzahlen
Und damit sind wir dann auch gleich bei den wichtigsten Zahlen seines Vortrages: die Einwohnerzahlen sinken.
6.761 Einwohner zählte die Samtgemeinde 2014. Das waren 89 Bürger weniger als 2012. 96 starben im letzten Jahr und nur 44 erblickten das Licht der Welt. Auch die Eheschließungen gehen zurück: nur 26 trauten sich…

Samtgemeinderat
Die 19 Mitglieder des Samtgemeinderates (7 CDU, 5 SPD, 3 WSL, 2 GRÜNE, 1 Parteilos und der SGB) tagten 2014 auf 25 Sitzungen. Herausgekommen ist dabei (bereits 2013) der Entschuldungsvertrag mit dem Land Niedersachsen, mit dessen Hilfe die aufgelaufenen Überziehungskredite der Gemeinden und Samtgemeinde Suderburg getilgt werden konnten.

Eine Bedingung für den Vertrag war, das auch die anderen Schulden bis 2017/18 getilgt sind und das macht die Ratsarbeit jetzt häufig nicht besonders lustig: es muss gespart werden das es kracht, die Gestaltungsspielräume tendieren gen Null. Mit den Überschüssen der Haushalte müssen Kassenkredite zurückgeführt werden. Dann erst ist an Rücklagenbildung zu denken, danach vielleicht an Investitionen…

Samtgemeindehaushalt
Und trotzdem – und durch die gesenkte Kreisumlage (-2,0%) – ist es auch in diesem Jahr wieder gelungen den Bürgern einen ausgeglichenen Haushalt vorzustellen:
Gesamtertrag 3.760.400 Euro
Gesamtaufwand 3.754.100 Euro
Gesamtergebnis + 6.300 Euro
Die Entschuldung läuft planmäßig, es gibt nur noch geringfügige Restschulden der Samtgemeinde; Eimke und Gerdau sind schuldenfrei, Suderburg hat noch einen Rest von 500.000 € zu zahlen.
- Die Samtgemeindeumlage konnte um 1,5 % gesenkt werden, dass hilft den Gemeinden bei ihrer Entschuldung
- die stellvertretenden Brandmeister bekommen schon jetzt (statt 2017) eine kleine Aufwandsentschädigung
- und trotzdem gibt es sogar noch diesen kleinen Überschuss in Höhe von 6.300 Euro, da reibt sich manch einer die Augen…

Kanalisation
Über die Ausgaben der Samtgemeinde gab es beispielsweise Folgendes zu berichten:
Die größte Brocken gingen in Kanalisation und Kläranlage:
Kanal OD Suderburg ca. 900.000 €
Erneuerung Schlammeindickung ca. 147.000 €
Pumpstationen ca. 40.000 €

Feuerwehren
Investitionen auch bei den Feuerwehren (nach Fördergeldern):
Fahrzeug Ellerndorf 26.217 €
Gerätehaus Ellerndorf 36.000 €
Digitalfunk 35.235 €

Kindertagesstätten
Auch die Kindergärten kosten viel Geld. So übernahm die SG ein Darlehn für die Rückübertragung des Kiga Suderburg 223.000 €. Damit kann die Gemeinde Suderburg aufgrund günstigerer Zinsen Kosten sparen.

Aber: Die Betreuungskosten steigen, Vertretungskräfte müssen jetzt Fachkräfte und entsprechend besser honoriert sein. Für 2015 kann das kompensiert werden, aber für 2016 steht bereits jetzt fest: die Kosten werden um ca. 55.000 € steigen.

Tourismus
Im Bereich Tourismus konnte Geld dadurch gespart werden, das man die Aufgaben in die Hände des Tourismusvereins legte. Der erhält dafür einen Zuschuss.

Verwaltung
Ein paar Stichpunkte zur Verwaltung 2014: Sie hat die Doppik weiter ausgebaut, Europa- und SG-Bürgermeisterwahl durchgeführt. In Zusammenarbeit mit dem Rat wurde die Tourismuskooperation auf den Weg gebracht, ein Radwegekonzept erarbeitet, kleinere Baumaßnahmen durchgeführt und eine Resolution zur Y-Trasse verabschiedet.
2015 stehen weiter die Entschuldung, Doppik und Eröffnungsbilanzen im Vordergrund.

Hinzu kommen Themen wie: Kooperationen, Sanierungsprogramme für das Sportzentrum, Abwasseranlagen und Verkehrswege. Außerdem Energiekonzepte, Konzept und Ausbau Kitas sowie eine Verwaltungsmodernisierung.

Schulen
Alarmierend sind die Zahlen der Schüler an den Grundschulen:
Gerdau hatte 2001: 144 Schüler  2014:  78 Schüler
Suderburg hatte 2001: 212 Schüler  2014: 144 Schüler
Auch die Schülerzahlen der Oberschule sinken. Mit unter 200 Schüler wird die Hardautalschule in diesem Jahr evtl. nur noch einzügig sein.

Und in der Gemeinde Suderburg?

Hans-Hermann Hoff hat als Gemeindebürgermeister ein ähnliches Probleme wie Thomas Schulz: seine Bevölkerung schrumpft aufgrund des demografischen Wandels. Durch die höheren Studentenzahlen wird der Effekt allerdings gebremst.

Auch der Haushalt der Gemeinde ist aufgrund des Entschuldungsvertrages „auf Kante genäht“. Die Haushaltszahlen der drei Gliedgemeinde werden wir in der nächsten Ausgabe tabellarisch aufbereiten.

Ansonsten hatte Hoff viel Gutes zu berichten: die Aktivitäten in den Dörfern sind vielschichtig.

Im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ waren Böddenstedt und Hösseringen angetreten. Böddenstedt wurde guter Zweiter und kam eine Runde weiter. Die Hösseringer fanden es nicht ganz so toll, das in der Wertungskommission ein Böddenstedter mitentschied, nahmen ihren 3. Platz aber sportlich und wollen in einer neuen Runde wieder antreten.

Die Bürger engagierten sich in ihren Dörfern bei Dorfreinigungstagen, Instandsetzung der Wassertretanlage in Hösseringen, bei Schlittschuhwiese, Heideflächen, Eichenpflanzaktion und Boulbahn in Suderburg, einer Streuobstwiese in Böddenstedt; überall mit der Pflege von Grünanlagen, Spielplätzen und öffentlichen Flächen, sowie bei öffentlichen Adventskränzen, Adventsfenstern und dem Aufstellen von Weihnachtsbäumen.
Patenschaften für Verkehrsinseln und Grünflächen wurden übernommen, Sand für den Strand am Hardausee gesponsert, usw. usw…

In Hösseringen gewann ein Bürger ein Spielgerät von Radio Antenne und der Sparda-Bank, das mit viel Bürgerbeteiligung und einer riesigen PR-Aktion aufgestellt wurde.

DRK und SoVD führten Seniorenberatungen und -nachmittage durch, es wurden Ausflüge und Feiern ausgerichtet.

Die Suderburger Wirtschaft veranstaltete ein Weinfest und den Weihnachtsmarkt.

Besonders die Vereinen entwickelten viele Aktivitäten, u.a. den Herbstlanglauf, zwei Radrennen, Nachtbiathlon, Sportfeste, Übungsabende und Sportabzeichenabnahmen. Darüber hinaus belegten sie hervorragende Plätze in ihren Wettbewerben und auf Tabellen.

Die Ostfalia Hochschule ist immer stärker in die Region eingebunden: Forschungsaufträge, öffentliche Veranstaltungen und das Engagement im Jugendzentrum zeigen das. Aber auch die Gemeinde tut umgekehrt viel für „ihre“ Studenten: die Parkflächen wurden erweitert, ein Studentenzimmerverzeichnis erstellt und eine Begrüßungstasche organisiert. Dazu gibt es viele Privatinitiativen beim Ausbau von Studentenwohnungen und -zimmern.

Auch um die St.-Remigius-Kirche passiert viel: sie ist jetzt Fahrradkirche und hat mit Chor, verschiedenen Gruppen und Veranstaltungen eine sehr aktive Gemeinde. Das Ehrenmal wurde 2014 mit Hilfe vieler Spenden saniert und der Treffpunkt Buch feierte 5. Geburtstag.

Hoff empfahl, die regionalen Veranstaltungen wahrzunehmen: im Museumsdorf läuft die Sonderausstellung zum 1. Weltkrieg, Konzerte, Lesungen der Musikschule Aktivitäten der Vereine und von gewerblichen Anbietern schaffen ein vielfältiges kulturelles Umfeld. 

BR2

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