An die Wand nach Stempelklau…

Kaum zu glauben: Nicht Chicago sondern Suderburg war der Ort der Handlung, Glosse
über die die Polizeipressestelle gestern folgende Meldung brachte:

[toggle state=“open“ title=“Polizeimeldung“]

Suderburg – Einschleichdiebin nach Verfolgung durch Zeugen gestellt – aggressive Täterin kratzt und verletzt Zeugen – in Samtgemeinde-Büro eingeschlichen

In die Büroräume der Samtgemeinde Suderburg in der Bahnhofstraße hat sich eine 45-Jährige in den Morgenstunden des 19.03.14 eingeschlichen. Die junge Frau hatte sich gegen 10.30 Uhr im Gebäude der Samtgemeinde aufgehalten und in einem unbeobachtetem Moment ein Handy sowie Geldbörse einer Mitarbeiterin sowie einen Aktenordner und Stempel der Samtgemeinde mitgehen lassen. Die Frau flüchtete in der Folge.

Während die örtliche Polizei alarmiert wurde, konnte ein 57-jähriger Zeuge die Täterin im Bereich des Suderburger Bahnhofs feststellen und festhalten. Diese leistete in der Folge erheblichen Widerstand, kratzte und verletzte den Zeugen dadurch.

Polizeibeamte nahmen die 45-Jährige, amerikanische Staatsbürgerin – wohnhaft in Lübeck, vorläufig fest. In ihren Sachen stellten die Beamten das Diebesgut aus den Büroräumen sicher. Sie wurde nach ihrer Vernehmung bei der Polizei Uelzen am späten Mittag wieder entlassen.

Die Frau erwartet ein Strafverfahren wegen räuberischen Diebstahls und Körperverletzung.

Der 57-jährige Zeuge erlitt leichte Verletzungen und ließ sich ambulant behandeln.

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Hut ab vor soviel Zivilcourage. Davon kann sich so manch ein Zeitgenosse ’ne Scheibe abschneiden…

Meinen Augen wollte ich dann heute morgen aber kaum trauen, als die Feed-Headline der Lokalpresse hereinkam:

„Vom Rathauschef zum Diebesschreck: Szenen wie aus Hollywood haben sich gestern in Suderburg abgespielt. Denn nicht etwa die Polizei, sondern Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz machte sich auf Verbrecherjagd durch den Ort…“

Donnerwetter… unser ‚Fidi‘. Wer hätte das gedacht! Als Stempel-Retter (nicht Tempel-Ritter) wird er nun in die Analen eingehen – aber: „Irgendjemand muß es ja machen“ …

Auf der „Streiffahrt“ durch „sein Dorf“ hat er die „Dame“, deren Blick ihm schon im Rathaus „auffällig“ vorgekommen war, gestellt. Im letzten Moment, denn sie hatte soeben ein Ticket gezogen (wie blöd ist das denn für eine Ganovin) und wollte sich „Richtung Uelzen aus dem Staub machen“ – so der überlieferte Bürgermeister-Sprech.

Weiter wird das unglaubliche Geschehen damit beschrieben, dass die Frau vom „Diebesschreck“ festgehalten und an die Wand „gedrängt“ wurde. Mit einer Hand (!), denn die andere brauchte er zum Telefonieren.

Gelernt ist gelernt. Man gut das der Held der Geschichte eine BGS-Vorbildung hat, denn das Biest wehrt sich:
„Die schrie wie am Spieß“ und als I-Tüpfelchen obendrauf: „sie hat ihre Krallen ausgefahren“ … und ihm den Arm zerkratzt. „Meine Frau wird ganz schön staunen, wenn ich mit dem verbundenen Arm nach Hause komme“…

Oh man oh Mann…

Wenn sich manch einer vom Samtgemeindebürgermeister einen ähnlich energischen Umgang mit bestimmten Politikern wünscht, könnte das ein Plot dafür sein.
Wenn in politischen Auseinandersetzung die Fetzen fliegen und die Presse mal richtig zulangt, gehört das zum Geschäft.

Aber hier wird jemand am Nasenring durch die Arena geführt – und merkt das scheinbar nicht.
Oder war das etwa Satire???

 

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