AbL zum Eier-Skandal in Bio- und Freilandhaltung



Nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) handelt es sich bei dem aktuellen Eier-Skandal im Kern nicht um einen Skandal der Bio- oder Freilandhaltung, sondern um strukturelle Misstände infolge des Vordringens von Agrarindustriellen in diese bisher bäuerlichen Bereiche. AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann zeigte sich gespannt, welche Enthüllungen noch zur Rolle von Zucht- und Eier-Konzernen, Brütereien, Eier-Packstellen oder Futtermittellieferanten und zu deren Vorgaben an landwirtschaftliche Betriebe bekannt würden.

Sollten sich die Berichte über eine Beteiligung hochrangiger Polit- und Verbands-Funktionäre der Agrarindustrie-Lobby bestätigen, unterstütze dies nur die Forderung nach einem raschen und generellen Verbot agrarindustrieller Haltungsstrukturen und Agrarfabriken in allen Landwirtschaftsbereichen. Auch die Spitzen des Bauernverbands und der Landwirtschaftskammern sollten endlich ihre enge Zusammenarbeit mit der Agrarindustrie-Lobby beenden, die zunehmend zu Lasten der bäuerlichen Betriebe gehe.

Niemann: „Wer die gängige Massentierhaltung von Konzernen systematisch selber betreibt oder sie als deren Lobbyist schönredet und gut findet, der kann doch eine artgerechtere oder Bio-Tierhaltung auf unabhängigen Bauernhöfen gar nicht ernsthaft praktizieren oder voranbringen.“ Von daher entstehe allein von daher eine gewisse Geneigtheit, die Regeln einer ökologischen und artgerechten Tierhaltung nicht richtig ernst zu nehmen.“

Es gehe hier nicht vorrangig um die Frage „bio oder konventionell“, sondern um die generelle Frage „Bauernhöfe oder Agrarfabriken“. Niemann verwies auf die starke gesellschaftliche Bewegung unter diesem Motto, die die Politik zu konsequenten Gesetzen gegen Massentier- und Stresshaltung dränge und zur Ausrichtung auf eine artgerechte, flächengebundene Tierhaltung in mittelständisch-bäuerlichen Strukturen – mit fairen Erzeugerpreisen für „Klasse statt Masse“.

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