Ab in den Norden – die Siebte



Wanderfreizeit der St.-Remigius Kirche Suderburg nach Schweden. 14 Tage mit Rucksack und Zelt in der schwedischen „Wildnis“

Nach monatelangen Vorbereitungen und zwei Probewanderungen ist es nun soweit:

Wir stehen morgens um 09:00 Uhr abmarschbereit an der Kirche, es fehlt aber noch ein Kleinbus. Der Autovermieter hat ihn nicht rechtzeitig beschaffen können. Nach einer gefühlten „Unendlichkeit“ können wir dann doch gegen Mittag losfahren.

Immer entlang der Vogelfluglinie über Puttgarden geht es nach Göteborg. Es ist ca. 22:00 Uhr und die Suche nach einem Zeltplatz gestaltet sich sehr schwierig. Ein kommerzieller Campingplatz will gleich mal so umgerechnet 500,-€ für ein paar Zelte haben – wir lagern dann doch lieber am Rande eines Auto-Parkplatzes.

Am nächsten Morgen geht es dann endlich auf den Bohusleden. So heißt unser Wanderweg, der sich von Süd nach Nord im westlichen Schweden befindet. Und ganz pünktlich zum Start setzt auch der berühmte schwedische Regen ein. Der macht uns auf dem ersten Kilometer auch noch nicht so viel aus, aber dann geht es steil bergauf und bergab. Die Wegmarkierungen sind schlecht zu sehen; wir sind ja auch noch ungeübt beim Lesen dieser Markierungen – später wird das besser funktionieren. Abendbrot und Zelte aufbauen im Trockenen, sonst Regen bis zum nächsten Morgen. Der Regen hat aufgehört, in der Ferne nur noch Donnergrollen, aber es bleibt trocken. Der Bohusleden führt uns durch die herrliche schwedische, recht felsige Landschaft nur durch Wälder und Büsche. Zwischendurch immer wieder Sumpfgebiete, die zum Glück meistens mit Stegen versehen sind. Wer abrutscht, steckt schon mal bis zu den Knien im Morast.

Im Museum Freden finden wir die ersten Wetterschutzhütten auf dem Weg. Es ist nicht genug Platz für alle, aber ein paar Teilnehmer können in den Hütten übernachten. Auch hier ist ein See zum Baden und zum Wäsche waschen in der Nähe. Kostet natürlich ein wenig Überwindung bei Regen iund kaltem Wetter, aber es übt sich.

Am nächsten Abend haben wir den ersten ernsthaften Unfall. Ein Teilnehmer hat sich beim Baden den Fuß aufgeschnitten. Der Arzt im Krankenhaus spricht Deutsch und wir werden hervorragend versorgt. Nachts um 1:30 Uhr sind dann alle im Bett (Schlafsack). Morgens wieder Regen, aber die Regenjacke lohnt nicht – der Schweiß auf der Haut ist mehr als der Regen. Abends gibt es unterhalb der Burg in Bohus Reis mit Corned Beef, Tomatenmark und getrockneten Tomaten.

Der erste schöne Tag! Der Schweiß läuft in Strömen. Abends wieder baden in einem der zahlreichen Seen. Einige Teilnehmer angeln – Die Fische sind schlauer. Es gibt Bratwurst vom Grill.

Dann sind wir im Museum Dalen. Kein Mensch dort. Es ist eine wunderschöne Anlage aus alten Zeiten, die heute keiner mehr bewirtschaften möchte (muss). Leider ist kein See in der Nähe aber eine Schwengelpumpe, die eiskaltes Wasser fördert. Das Spiel „Werwolf“ entwickelt sich beim Lagerfeuer zum Renner.

Auf den nächsten Etappen wechseln sich Felsen und steppenartige Landschaften ab. Es ist dabei immer ziemlich gebirgig und dann kommt, was kommen musste. An zwei Tagen in Folge knicken zwei Teilnehmer mit dem Fuß um. Das heißt: Gepäck umverteilen, Verletzten unterstützen und es hoffentlich bis zur nächsten befahrbaren Straße schaffen. Dort konnte ihn der Fahrdienst, den wir zum Glück eingerichtet hatten, dann aufnehmen. Die Kommunikation funktionierte zum Glück über das Handynetz meistens ganz gut. Über Landkarten wurde dann das Fahrzeug herangelotst.

Nach einigen Nächten in der Nähe von Seen, sind wir heute mal wieder in einem Museum mit Trinkwasserversorgung. Der Verwalter erzählt uns, dass er das Wasser auch öfter trinkt: „Es gibt nur ab und zu mal ein leichtes Bauchgrummeln, aber nur ganz wenig.“ Es geht alles gut. Dann hat er uns noch die Feuerstelle erklärt – wir sind in einem Naturreservat und Feuer ist nur an ganz bestimmten Stellen erlaubt. Und er hat uns den Holzschuppen aufgeschlossen, damit wir trockenes Holz verbrennen können. Und das Schloss vom Schuppen sollten wir morgens einfach wieder zu drücken.

In der Nacht wird eines unserer Fahrzeuge auf dem etwas entfernten Parkplatz aufgebrochen. Es fehlt aber „nur“ eine Reisetasche mit Wechselkleidung für Göteborg. Das kostet viel Zeit. Dafür sind wir Abends wieder an einem See mit Badesteg. Wir dürfen bleiben, auch wenn hier alles privat ist. Sonst gilt auch in Schweden das sog. Jedermannsrecht, das ganz viel auf gegenseitiges Vertrauen setzt: So darf man für einen Tag in freiem Gelände zelten ohne den Besitzer zu fragen.

Es regnet mal wieder in Strömen. Und wir können nicht weiter wandern, denn ausgerechnet heute veräuft der Bohusleden auf einer Schotterstraße, auf der alle zwei Jahre am zweiten Samstag im August ein Autorennen veranstaltet wird. Und diese Straße ist tatsächlich der einzige Weg aus unserer Mausefalle heraus. Sonst nur Wasser und steile Berge. Zum Glück dürfen wir unter dem großen Dach am Bootssteg warten. Einige gehen die zwei Kilometer zur Straße und schauen sich das Rennen an. Am Nachmittag wird das Rennen wegen eines Unfalls abgebrochen und wir kommen weiter.

Nach einer regnerischen Nacht in der Nähe einer Wetterschutzhütte fahren wir am Sonntag mit den Autos Richtung Göteborg. Unterwegs immer wieder Wegweiser mit Ortsnamen, die uns seltsam vertraut vorkommen. Mit jedem Kilometer Autofahrt steigt der Stolz auf die eigene Leistung: Diese lange Strecke sind wir tatsächlich zu Fuß gegangen!

In Göteborg übernachten wir in einem Wadrarhem. Ist schon komisch, wieder eine Dusche mit warmen Wasser zu benutzen. Endlich wieder „richtig“ sauber genießen wir den letzten Abend in Göteborgs Innenstadt.

Annika, Elisabeth, Lena, Christian, Onno, Ingo und Günther

PS.: Zwei Paar Schuhe und einige Socken sind herrenlos heimgekehrt. Mal sehen, ob die beim Nachtreffen wieder erkannt werden?

Und hier geht’s zum Tagebuch von Günther….

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